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12.06.2020 Thomas Bergmann

Wahnsinnsaktion von Hertz: Drehen die Zocker jetzt völlig durch?

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Hertz Global Holding

Spielt die Börse langsam völlig verrückt? Der US-Autovermieter Hertz will die aktuelle Börsenphase nutzen und trotz des in den USA eingeleiteten Insolvenzverfahrens neue Aktien im Wert von bis zu 1 Milliarde Dollar ausgeben. Offensichtlich ist die Nachfrage vorhanden, diese in der Geschichte einmalige Transaktion durchzuziehen.

Obwohl Hertz erst vor Kurzem ein Insolvenzverfahren angemeldet hat, ist die Aktie in den letzten Wochen unglaublich stark gestiegen. Anfang der Woche kletterte die Aktie auf zeitweise 6,25 Dollar und machte damit 1.462 Prozent seit dem Tief am 22. Mai gut, nachdem das Unternehmen als Folge der Corona-Krise in den USA Insolvenz angemeldet hatte.

Der Konzern will nun einen Insolvenzrichter um die Genehmigung bitten, 246,8 Millionen neue Aktien an Jefferies verkaufen zu dürfen. "Die jüngsten Marktpreise und Handelsvolumina der Hertz-Stammaktien bieten dem Unternehmen möglicherweise eine einzigartige Gelegenheit, Kapital zu günstigeren Konditionen zu beschaffen als zu denen der Darlehen, die viele andere bankrotte Unternehmen erhalten", sagten die Anwälte des Unternehmens am Donnerstag.

Juraprofessor Jared Ellias von der University of California Hastings College of Law sagte, er habe Hunderte von Konkursen untersucht und noch nie erlebt, dass ein Unternehmen versucht habe, die Insolvenz mit einem Equity Offering zu Beginn von Kapitel 11 zu finanzieren. "Hertz guckt sich den Markt an und stellt fest, dass es eine Gruppe irrationaler Händler gibt, die die Aktien kaufen. Und die Antwort darauf ist zu versuchen, diesen Leuten Aktien zu verkaufen, in der Hoffnung, darüber einen Teil der Umstrukturierung zu finanzieren", sagte Ellias.

Nach dem schwarzen Donnerstag sind allerdings Zweifel berechtigt, ob Hertz mit seinen Plänen durchkommt. Der Kurs der Hertz-Aktie verlor am Vortag weitere 20 Prozent auf rund zwei Dollar. Um die angepeilte Milliarde einzusammeln, müsste sich der Kurs aber wieder verdoppeln. 

Hertz teilte weiter mit, das Unternehmen werde das US-Insolvenzgericht in Wilmington, Delaware, um Erlaubnis bitten, aus dem Leasing von 144.372 Fahrzeugen auszusteigen - ein Schritt, der laut Unternehmen etwa 80,3 Millionen Dollar pro Monat sparen würde. Im vergangenen Jahr erreichte Hertz' US-Flotte einen Höchststand von 567.000 Fahrzeugen.

Die Hertz-Aktien werden an der New York Stock Exchange gehandelt, welche das Unternehmen von der Börse nehmen will. Hertz hat Widerspruch gegen den Delisting-Bescheid eingelegt.

Hertz Global Holding (WKN: A2ALSZ)

Der Markt erinnerte bis gestern an die Dotcom-Zeit im Jahr 2000. Viele Anleger kauften damals ohne Sinn und Verstand. Es bleibt spannend zu beobachten, ob Hertz' Pläne aufgehen. Eine Einschätzung zur Aktie bekommen Sie in der nächsten Ausgabe des AKTIONÄR.

(Mit Material von Bloomberg)