Die Gegenbewegung war kurz. Der nächste Abverkauf folgte schnell. Unterm Strich hat sich wenig geändert: Palantir bleibt charttechnisch angeschlagen und hinkt dem Gesamtmarkt hinterher. Jetzt bekommt die laufende Korrektur neue Nahrung – ausgerechnet von einem der bekanntesten Skeptiker der Wall Street.
Michael Burry hat Palantir erneut ins Visier genommen. Der Investor, bekannt aus „The Big Short“, legte in einem aktuellen Beitrag eine neue, ausführliche Bären-These vor. Zentrales Argument: Die Bewertung der Aktie passe nicht zur finanziellen Realität des Unternehmens. Nach seinen Berechnungen liege ein fairer Wert bei rund 46 Dollar je Aktie.
Burry rechnet bewusst hart. Er verweist auf die lange Phase ohne Profitabilität, hohe Ausgaben und eine aggressive Aktienvergütung. Palantir habe über Jahre Geld verbrannt, in der Pandemie massiv in SPACs investiert und das Top-Management üppig entlohnt. Burry zweifelt nicht primär am Umsatzwachstum, sondern an der Qualität und Dauerhaftigkeit der Gewinne. Besonders kritisch sieht er die Darstellung der Margen. Kosten würden atypisch zwischen Forschung, Entwicklung sowie Vertrieb verteilt, was die Bruttomarge besser aussehen lasse, als sie bei klassischer Einordnung wäre.
Auch die Erwartungen sind ihm zu hoch. Palantir habe gemessen am Umsatz eine extrem hohe Dichte an Milliardären im Aktionärs- und Managementkreis. Für Burry ist das weniger ein Ruhmeszeichen als ein Hinweis auf überzogene Erwartungen. Er betont allerdings, aktuell nicht short zu sein, sondern über Optionen auf fallende Kurse zu setzen.
Aktuelle Kursziele
Ganz anders sehen das einige Analysten. DA Davidson weist Burrys Argumente zurück. Die Kritik enthalte keine neuen Fakten, die das Wachstum oder die strategische Position von Palantir infrage stellten. Palantir sei eines der wenigen Softwareunternehmen, das künstliche Intelligenz tatsächlich produktiv in unternehmenskritischen Systemen verankere. Die Bewertung sei hoch, aber das Wachstum rechtfertige sie zumindest teilweise. Das Kursziel bleibt bei 180 Dollar, die Einstufung bei „Halten“.
Auch Daiwa sieht Potenzial und stufte die Aktie jüngst auf „Kaufen“. Das Kursziel liegt ebenfalls bei 180 Dollar. Grundlage sind besser als erwartete Zahlen sowie eine angehobene Prognose.
Der Markt scheint sich derzeit eher an Burrys Skepsis zu orientieren als an den hohen Kurszielen. Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Wichtige gleitende Durchschnitte wurden nicht zurückerobert, der Kurs zeigt weiterhin relative Schwäche gegenüber dem Nasdaq.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Palantir Technologies.
Heute, 10:12