Die rote Laterne am US-Markt hat heute eindeutig die IBM-Aktie mit Verlusten im zweistelligen Prozentbereich. Vorläufige Quartalszahlen haben die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt und gefallen ihnen ganz und gar nicht. Zahlreiche andere Unternehmen aus der Softwarebranche werden in Sippenhaft genommen.
Das Wichtigste kurz und knapp:
• Die IBM-Aktie ist nach enttäuschenden Quartalszahlen und zurückhaltenden Aussagen des Managements um mehr als 25 Prozent eingebrochen.
• Der verfehlte Umsatz und die schwächeren Geschäftsaussichten belasteten auch zahlreiche andere Software- und IT-Aktien.
• Anleger bleiben bei IBM vorerst vorsichtig.
Enttäuschende Geschäftszahlen von IBM und zurückhaltende Aussagen des Chefs Arvind Krishna haben am Dienstag dessen Aktienkurs sowie die IT- und Softwarebranche belastet. Die IBM-Aktien brachen in den ersten Handelsminuten um mehr als 25 Prozent auf 215,67 US-Dollar ein, was dem höchsten Tagesverlust aller Zeiten für die Aktie entsprach.
Sie rutschten damit auf das Niveau von Mitte Mai ab, von dem sie sich zuletzt kräftig bis auf ein Rekordhoch bei 332,46 Dollar Anfang Juni erholt hatten. Dabei rissen die IBM-Aktien nun sämtliche relevanten charttechnischen Unterstützungen. Das Kursminus seit Jahresbeginn beträgt gut 28 Prozent.
Hierzulande fielen die SAP-Aktien daraufhin am Nachmittag um 3,1 Prozent. Für Nemetschek geht es nach anfänglichen Verlusten wieder in den grünen Bereich. In Paris verloren Capgemini gut zwei Prozent.
Im US-Handel rutschten außerdem Accenture um mehr als zwei Prozent ab, ServiceNow verloren fast fünf Prozent und Microsoft rund 1,5 Prozent.
Mit einem Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar im zweiten Quartal hatte IBM die Konsensschätzung von 17,86 Milliarden Dollar um knapp vier Prozent verfehlt. Die Geschäfte seien schlechter gelaufen als erwartet, hieß es vom Top-Manager Arvind Krishna.
„In den letzten Juniwochen konnten wir beobachten, dass Kunden ihre vierteljährlichen Investitionen verstärkt auf den Kauf von Servern, Speichersystemen und Arbeitsspeicher verlagerten, um sich angesichts erwarteter Preiserhöhungen noch rechtzeitig mit der knappen Infrastruktur einzudecken“, hieß es. „Diese Entwicklung wirkte sich auf das Kaufverhalten der Kunden aus.“
Profiteure dieser Entwicklung könnten einige KI-Infrastrukturwerte sein. Jüngst hatten sich Aktien rund um Künstliche Intelligenz und Softwaretitel meist gegenläufig entwickelt. In der Softwarebranche geht seit geraumer Zeit die Sorge vor einer Verdrängung durch KI-Tools um.
Der heutige Kurssturz hat alle wichtigen Durchschnittslinien durchstoßen; der Kurs notiert nun wieder auf Höhe des Jahrestiefs vom Mai. Es sieht so aus, als würde es der größte Tagesverlust seit 25 Jahren für die Papiere werden. Wer noch nicht in IBM investiert ist, bleibt vorerst an der Seitenlinie. Das Management muss nun erst zeigen, dass die Sorgen vor einer Verdrängung durch KI unbegründet sind und die Wachstumsstory intakt bleibt.
Enthält Material von dpa-AFX
FAQs:
Warum fällt die IBM-Aktie so stark?
Der Markt reagiert auf vorläufige Quartalszahlen. IBM hat beim Umsatz die Erwartungen verfehlt. Nach der starken Kursentwicklung reicht das für deutlichen Verkaufsdruck.
Was macht IBM?
IBM ist ein US-Technologiekonzern mit Schwerpunkten in Software, Hybrid Cloud, IT-Dienstleistungen, Infrastruktur und Künstlicher Intelligenz. Der Konzern richtet sein Geschäft seit Jahren stärker auf margenstärkere Software- und Cloud-Angebote aus.
Zahlt IBM Dividende?
Ja. IBM zahlt regelmäßig eine Dividende, üblicherweise quartalsweise im März, Juni, September und Dezember. Zuletzt wurde die Quartalsdividende auf 1,69 Dollar je Aktie erhöht.
Heute, 17:05
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