Heute Abend legt Apple Zahlen vor – und diesmal reicht ein solides Quartal wohl nicht. Die Aktie notiert nur wenige Prozent unter ihrem Allzeithoch. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft haben bereits geliefert. Die Botschaft aus den Big-Tech-Zahlen bisher: KI treibt Wachstum, kostet aber gigantische Summen. Apple ist in diesem Wettrennen bislang auffällig vorsichtig unterwegs.
Diese Ausgangslage macht den Abend besonders spannend. Die Erwartungen sind hoch. Analysten rechnen laut Bloomberg mit einem Umsatzplus von rund 15 Prozent und einem Gewinnwachstum von etwa 19 Prozent. Mehr zu den konkreten Erwartungen hatte DER AKTIONÄR bereits in einem Plus-Artikel notiert (siehe Beiträge am Artikelende).
Die Aktie ist derzeit relativ hoch bewertet – auch im Vergleich mit dem eigenen Zehn-Jahres-Schnitt. Anleger zahlen für Apple-Aktien weiter Premiumpreise. Dafür muss der Konzern aber auch liefern.
Anderer Weg bei KI
Der große Unterschied zu den anderen Tech-Giganten: Apple hat bislang keine riesigen KI-Investitionsprogramme für Rechenzentren auf den Tisch gelegt. Meta hebt seine Investitionen auf bis zu 145 Milliarden Dollar an. Amazon will massiv in Rechenzentren und KI-Infrastruktur investieren. Microsoft fährt die Ausgaben ebenfalls hoch. Alphabet zeigt, dass sich KI-Ausgaben in der Cloud bereits auszahlen können.
Apple geht einen anderen Weg. Der Konzern setzt stärker auf KI direkt im Gerät und in bestehenden Anwendungen. Laut Bloomberg plant Apple für iOS 27 unter anderem einen neuen Siri-Modus in der Kamera-App. Nutzer sollen Objekte und Szenen direkt über die Kamera analysieren lassen können. Visual Intelligence soll prominenter im iPhone verankert werden.
Das klingt weniger spektakulär als neue Mega-Rechenzentren. Es passt aber zu Apple: Hardware, Software und Nutzererlebnis aus einem Guss.
Neuer Chef kommt
Zusätzliche Spannung bringt der Führungswechsel. John Ternus soll im September Tim Cook als CEO ablösen. Damit wird die Präsentation heute Abend auch zur ersten großen Standortbestimmung für die Zeit nach Cook. Ob Ternus selbst spricht, ist offen. Wichtiger ist, welche Strategie Apple für die nächste Wachstumsphase andeutet.
Die offenen Punkte sind klar: Wie stark bleibt das iPhone-Geschäft? Wie entwickelt sich China? Wie teuer werden Speicherchips? Und reicht Apples vorsichtiger KI-Kurs, wenn der Rest der Branche Milliarden in Infrastruktur pumpt?
Erwartet wird kein Überwachstum. Aber etwas mehr, als die Prognosen erwarten lassen, müsste es wohl schon sein, wenn es für einen Ausbruch auf ein neues Allzeithoch (288,62 Dollar im Dezember 2025) reichen soll. Schließlich hat Big Tech gestern auf breiter Front vorgelegt. Wenn Apple zeigen kann, dass KI-Funktionen die Nachfrage nach neuen Geräten treiben, ohne die Marge massiv zu belasten, wäre das ein starkes Signal. Und immerhin: Eine nachträgliche Verstimmung bei Anlegern wegen Milliarden-Investitionen ist wohl nicht zu erwarten. Apple gilt bislang jedenfalls eher als Cashflow-Maschine, nicht als wagemutiger Milliarden-Abenteuer-Konzern.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
Heute, 18:59