Die WWDC 2026 sollte Apples großer KI-Befreiungsschlag werden – und die Aktie startete mit einem kurzen Ausflug auf ein neues Allzeithoch in die Keynote. Doch nach den Details zur überarbeiteten Siri kam die Luft schnell raus. Was die Anleger so enttäuscht hat und warum der Druck auf Apple größer ist als je zuvor.
• Die Apple-Aktie kletterte zum Start der WWDC 2026 kurz auf ein neues Allzeithoch, gab die Gewinne nach den Siri-Details jedoch wieder ab.
• Anleger zeigten sich enttäuscht, da eigenständige KI-Agenten ausblieben und die neue Siri-KI in der EU vorerst nicht verfügbar sein wird.
• Bank-of-America-Analyst sieht bei einem gelungenen Siri-Agenten ein Umsatzpotenzial von 15 bis 30 Milliarden Dollar bis 2030.
Auf der Worldwide Developers Conference 2026, die unter dem Motto „All Systems Glow" steht, präsentierte Tim Cook in seiner wohl letzten großen Keynote als CEO – er tritt zum 1. September zurück – eine grundlegend überarbeitete Version von Siri. Der Sprachassistent basiert künftig auf Googles Gemini-Technologie, soll im Dynamic Island verankert sein und per Wischgeste einen neuen „Suchen oder Fragen"-Bildschirm öffnen. Dazu kommen multimodale Fähigkeiten, Visual Intelligence sowie ein stark aufgewertetes Image Playground. Auch iOS 27 und macOS „Golden Gate" wurden vorgestellt.
Doch die Börse zeigte sich unbeeindruckt – ja, regelrecht enttäuscht. Nachdem die Aktie zum Start kurz auf ein neues Allzeithoch geklettert war, gab sie die Gewinne nach den Siri-Details wieder ab. Der entscheidende Knackpunkt: Eigenständige KI-Agenten, die selbstständig komplexe Aufgaben über mehrere Apps hinweg erledigen können, wurden nicht vorgestellt. Genau das aber hatte der Markt erhofft. Zusätzlichen Unmut sorgte die Ankündigung, dass das neue Siri-KI in der EU zunächst weder für iOS noch für iPadOS verfügbar sein wird – und damit für einen erheblichen Teil der weltweiten Kundschaft wegfällt.
Es ist nicht das erste Mal, dass Apple bei KI-Ankündigungen hinter den Erwartungen zurückbleibt. Bereits auf der WWDC 2024 wurden Funktionen versprochen, die der Konzern nie ausgeliefert hat – Apple musste deswegen sogar 250 Millionen Dollar in einem Vergleich zahlen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2026 liegt bei rund 37 und die Bewertung lässt schlicht keinen Spielraum für Enttäuschungen.
Dabei wäre das Potenzial bei einer überzeugenden Lieferung enorm: Bank-of-America-Analyst Wamsi Mohan hatte ein inkrementelles Umsatzpotenzial von 15 bis 30 Milliarden Dollar bis 2030 sowie zwei Dollar zusätzlichen Gewinn je Aktie in Aussicht gestellt – sofern Siri zu einem echten Agenten wird, der Absichten versteht und app-übergreifend handelt. Apples struktureller Vorteil bleibt dabei unbestreitbar: mehr als 2,5 Milliarden aktive iOS-Geräte weltweit – ein Hebel, den kein reiner KI-Anbieter replizieren kann.
Apple hat auf der WWDC 2026 geliefert – aber nicht genug. Die Siri-Überarbeitung ist ein Schritt nach vorne, kein Quantensprung. Solange echte KI-Agenten fehlen und die EU-Beschränkung gilt, bleibt enormes Potenzial auf der Straße liegen. Der nächste Bewährungstest folgt mit dem iPhone 18 im Herbst.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
Heute, 20:18