Die Führung von AMD liefert große Worte. Der Markt reagiert kühl. Trotz neuer KI-Chips, trotz optimistischer Aussagen von CEO Lisa Su und trotz wachsender Rechenzentrumsnachfrage gerät die Aktie heute deutlich unter Druck. Zwischenzeitlich verliert AMD mehr als vier Prozent. Das ist der stärkste Tagesrückgang seit Wochen.
Es klang eigentlich alles nach Lehrbuch: Auf der CES in Las Vegas stellte AMD neue Chips für Unternehmensrechenzentren vor. Lisa Su sprach von explodierender Nachfrage, von einem Rechenbedarf, der sich in den kommenden vier bis fünf Jahren verhundertfachen müsse. Künstliche Intelligenz sei kein Hype, sondern Alltag. „Wir sind noch ganz am Anfang“, sagte Su.
AMD gilt als der wichtigste Herausforderer von Nvidia im Markt für KI-Beschleuniger. Mit dem neuen MI440X zielt der Konzern gezielt auf kleinere, lokale Rechenzentren. Kunden sollen KI-Rechenleistung direkt vor Ort betreiben können – inklusive Datenhoheit. Parallel wirbt AMD mit dem Top-Modell MI455X und kündigt bereits die nächste Generation an. Die MI500-Serie soll ab 2027 die Leistung der heutigen Chips um das Tausendfache übertreffen.
Das klingt spektakulär. Für Anleger ist es vor allem eines: Zukunft. Das Problem liegt wohl bei den Erwartungen. AMD hat 2025 rund 77 Prozent zugelegt, etwa doppelt so viel wie Nvidia. Die Aktie ist kein Geheimtipp mehr. Sie ist ein hochgehandelter KI-Wert mit entsprechend hoher Fallhöhe. Wer hier investiert ist, will Ergebnisse sehen. Keine Visionen.
Nvidia kassiert heute bereits zweistellige Milliardenbeträge mit KI-Chips. AMD baut dieses Geschäft noch auf. Zwar wächst der Bereich schnell, doch der Markt verlangt mehr als Ankündigungen. Er verlangt Marktanteile, Aufträge, Zahlen.
Hinzu kommt ein weiteres Thema, das über der gesamten Branche schwebt: die Angst vor einer Investitionsblase. Immer mehr Investoren fragen sich, ob die gigantischen KI-Budgets der Konzerne dauerhaft tragfähig sind.
Keine Panik, die Korrektur ist kein Trendbruch. AKTIONÄR-Leser konnten mit AMD einen Großteil der Rally mitnehmen. AMD steht operativ stark da, strategisch ebenfalls. AMD bleibt ein zentraler KI-Player. Die Messlatte liegt zwar hoch, aber wenn das Unternehmen liefern kann, sollten weitere Kursgewinne nur eine Frage der Zeit sein.
06.01.2026, 20:24