Die erste Reaktion war heftig: Alphabet rutschte heute nach den Zahlen von gestern Abend zeitweise um rund sieben Prozent ab. Dann setzte die Gegenbewegung ein, und ein Großteil des Verlusts wird egalisiert. Es bleibt ein klassischer Konflikt: starkes operatives Momentum gegen explodierende Investitionen.
Der Auslöser des Abverkaufs ist klar: Alphabet plant für 2026 Investitionen von bis zu 185 Milliarden Dollar. Deutlich mehr, als der Markt erwartet hatte. Für viele Anleger zunächst ein Schock. Freier Cashflow unter Druck, Renditefragen offen, Nerven dünn.
Doch während ein Teil der Marktteilnehmer in einem ohnehin dieser Tage nervösen Tech-Umfeld verkauft, bleiben Analysten auffällig ruhig. Bank of America, Wedbush, Jefferies, Citi, Evercore: Kaufempfehlungen bleiben, Kursziele teils deutlich über dem aktuellen Niveau. Der gemeinsame Nenner: KI wirkt. Messbar. Jetzt.
Vor allem das Cloud-Geschäft liefert Argumente. Das Wachstum beschleunigt sich auf 48 Prozent, so stark wie seit Jahren nicht mehr. Auch die Suche zeigt keine Bremsspuren. Im Gegenteil. KI-Anwendungen erhöhen die Monetarisierung, statt sie zu kannibalisieren. Genau das war eine der größten Sorgen vieler Investoren.
Die Gemini-Plattform stützt sowohl Suche als auch Cloud, mit inzwischen Hunderten Millionen aktiven Nutzern.
Investitionen als Risiko?
Streitpunkt bleibt der Investitionsplan. Für die einen ist er eine Belastung. Für die anderen ein Signal. Alphabet investiert nicht defensiv, sondern aggressiv. In Rechenzentren, Chips, Infrastruktur. Wer hier bremst, verliert im KI-Wettlauf.
Chef Sundar Pichai (Foto oben) verteidigt den Kurs. Die Investitionen seien notwendig, um Wachstum zu sichern. KI treibe Nutzung und Umsätze über alle Geschäftsbereiche hinweg. Die Suche habe mehr Nutzung als je zuvor gesehen, KI wirke nicht verdrängend, sondern erweiternd.
Jefferies wertet die Verdopplung der Investitionen als Vertrauensbeweis des Managements in das eigene KI- und Cloud-Portfolio. Profitabilität, Cashflows und Bilanz seien stark genug, um das Programm zu tragen.
Auch DER AKTIONÄR bleibt bei seiner ersten Einschätzung von gestern Abend: Alphabet bleibt attraktiv. Die gegenwärtige Volatilität dürfte vor allem dem wackeligen Tech-Markt geschuldet sein.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Alphabet (A).
Heute, 21:53