Der Softwareanbieter Adobe hat am Donnerstagabend nach Handelsschluss an der Wall Street seine Zahlen zum ersten Quartal veröffentlicht. Trotz starker Ergebnisse ging es für die Aktie nachbörslich deutlich abwärts. Grund: Der langjährige Konzernchef Shantanu Narayen zieht sich nach 18 Jahren an der Spitze zurück – obwohl Adobe mitten in einer handfesten Krise steckt.
In den vergangenen drei Monaten hat Adobe eine starke Geschäftsentwicklung verzeichnet. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um zwölf Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 5,08 auf 6,06 Dollar. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit einem Umsatz von 6,28 Milliarden Dollar gerechnet, während die Konsensschätzung für den bereinigten Gewinn je Aktie bei 5,87 Dollar lag. Damit übertraf der US-Konzern die Erwartungen deutlich.
Auch beim Ausblick konnte Adobe die Markterwartungen übertreffen. Das Management stellt für das zweite Quartal einen Umsatz zwischen 6,43 und 6,48 Milliarden Dollar in Aussicht. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll sich auf 5,80 bis 5,85 Dollar belaufen. Zuvor waren Analysten im Konsens lediglich von einem Umsatz von 6,43 Milliarden Dollar sowie einem Gewinn je Aktie von 5,70 Dollar ausgegangen.
CEO-Rücktritt überschattet starke Zahlen
Gar nicht gut kam bei den Anlegern dagegen die Ankündigung an, dass Konzernchef Shantanu Narayen für einen Nachfolger platz macht. Wer dies sein wird, steht noch nicht fest. Nach 18 Jahren an der Konzernspitze will der 62-Jährige jedoch kürzer treten und fortan nur noch Verwaltungsratschef sein. Bei Adobe endet damit eine Ära: Unter Narayen hatte der Softwarekonzern Photoshop und InDesign zu globalen Standards gemacht. Bis Narayen-Nachfolger gefunden ist, will der scheidende Konzernlenker jedoch noch das Amt des CEOs wahrnehmen.
Das Narayen ausgerechnet jetzt, in Zeiten, in denen KI als Disruptor für klassische Softwarekonzerne gilt und die Börse bereits den Abgesang auf Adobe angestimmt hat, kürzer tritt, kommt jedoch aus Anlegersicht höchst unpassend. Für die Adobe-Aktie ging es daher nachbörslich um rund acht Prozent abwärts.
Trotz der besser als erwarteten Resultate überschattet der CEO-Rücktritt die aktuellen Entwicklungen. Anleger bleiben vorerst an der Seitenlinie und greifen nicht in das fallende Messer. Welche Aktien dagegen jetzt ein Kauf sind, erfahren Sie in der neuen Ausgabe des AKTIONÄR. Diese ist ab heute am Kiosk oder hier bequem als E-Paper erhältlich.
Heute, 07:06