Die Rekordjagd an der Wall Street geht weiter. Während der S&P 500 sein Niveau über der 7.000-Punkte-Marke hält, verzeichnet der Nasdaq Composite seine zwölfte Gewinn-Session in Folge. Ein diplomatischer Durchbruch im Iran-Konflikt stützt die Kurse und treibt die Anleger zurück in den Markt.
Der US-Markt zeigte am Donnerstag erneut Stärke. Der S&P 500 stieg um 0,26 Prozent auf 7.041 Zähler. Damit hielt der breite Marktindex nicht nur das Niveau über der 7.000er-Marke, sondern schraubte sein am Mittwoch erreichtes Rekordhoch sogar noch ein Stück weiter nach oben. Der Nasdaq Composite legte um 0,36 Prozent auf 24.102 Punkte zu und markierte ebenfalls einen neuen Bestwert. Es ist der zwölfte positive Handelstag in Folge – eine Serie, die es zuletzt im Jahr 2009 gab. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 0,24 Prozent bei 48.578 Punkten.
Waffenruhe als Kurstreiber
Hauptgrund für die freundliche Stimmung ist die politische Entspannung. US-Präsident Donald Trump bestätigte eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Da dies als Voraussetzung für Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran gilt, preist der Markt eine Deeskalation ein. „Wir sind sehr nahe dran an einem Abkommen“, sagte Trump vor seinem Abflug nach Las Vegas. Laut Marktbeobachtern steigen die Aktien trotz des Konflikts, da Investoren bereits auf die Zeit nach dem Krieg setzen und eine schnelle Normalisierung der Handelswege erwarten.
Einzelwerte im Fokus
In der Berichtssaison gab es am Donnerstag deutliche Impulse. Bank of New York Mellon (+1,8 %) erreichte ein neues Allzeithoch, nachdem das Finanzinstitut die Erwartungen beim bereinigten Gewinn (2,25 USD vs. 1,93 USD erwartet) und beim Umsatz deutlich übertraf. Auch Albemarle setzte seinen Aufwärtstrend fort und legte um über 13 Prozent zu. Der Lithiumproduzent profitiert von anziehenden Rohstoffpreisen und Spekulationen über eine Verdopplung des EBITDA bis 2026.
Netflix geriet nachbörslich unter Druck. Trotz starker Q1-Zahlen enttäuschte der Streaming-Gigant mit einem schwächeren Ausblick auf das zweite Quartal, was die Aktie zeitweise um neun Prozent absacken ließ. Zudem sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass Mitgründer Reed Hastings den Verwaltungsrat im Juni endgültig verlassen wird.
Ein starkes Debüt feierte der Börsenneuling Madison Air Solutions: Die Aktie schoss am ersten Handelstag nach dem IPO um knapp 19 Prozent nach oben. Im Tech-Sektor setzte Microsoft (+2,2 %) seinen Lauf fort. Dagegen sackte der Broker Charles Schwab nach verfehlten Umsatzerwartungen um 7,6 Prozent ab. Auch Abbott Laboratories enttäuschte mit einer reduzierten Gewinnprognose und verlor sechs Prozent. Der Getränkeriese PepsiCo (+2,3 %) überzeugte hingegen mit einem Gewinnsprung.
Statistische Auffälligkeiten
Die 12-tägige Gewinnserie des Nasdaq ist historisch selten. Während elf Titel im S&P 500 – darunter Western Digital, Garmin und AMD – neue Allzeithochs markierten, kehrten laut JPMorgan-Daten nun auch die Privatanleger deutlich in den Markt zurück. Die Beteiligung der Retail-Trader sprang auf das 55. Perzentil, nachdem sie zuvor tagelang fast vollständig pausiert hatten.
Die Wall Street nutzt die diplomatische Entspannung für den nächsten Ausbruch nach oben. Solange die Waffenruhe hält – und dem neulich vom ehemaligen CIA-Direktor John Brennan als „völlig geisteskrank“ titulierten Anführer der freien Welt nach seinem Vegas-Trip kein neuer Weg einfällt, den Weltfrieden zu stören –, bleibt das Momentum bullish.
Heute, 22:48