Der US-Arbeitsmarkt bleibt bei den Entlassungen erstaunlich ruhig. In der Woche bis zum 31. Oktober stellten nur 189.000 Amerikaner erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe, wie das US-Arbeitsministerium gerade mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit 196.000 Anträgen gerechnet. Den Wert der Vorwoche revidierte das Ministerium leicht auf 195.000. Zeitgleich meldete das Arbeitsstatistikamt BLS in seiner ersten Schätzung, dass die Produktivität außerhalb der Landwirtschaft im dritten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 3,6 Prozent stieg. Erwartet waren 2,8 Prozent nach revidiert 2,1 Prozent im Q2. Die Lohnstückkosten sanken um 0,7 Prozent, Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,6 Prozent gerechnet.
- Erstanträge: 189.000 nach 195.000 in der Vorwoche – erwartet waren 196.000
- Produktivität Q3: 3,6 Prozent nach 2,1 Prozent – erwartet waren 2,8 Prozent
- Lohnstückkosten Q3: minus 0,7 Prozent nach 1,9 Prozent – erwartet waren plus 0,6 Prozent
Der Vierwochendurchschnitt, der die Ausschläge einzelner Wochen glättet, sank auf 194.750 nach revidiert 197.000. Die Folgeanträge, also die Zahl der Menschen, die nach der ersten Woche weiter Arbeitslosenhilfe beziehen, stiegen in der Woche bis zum 24. Oktober auf 1.718.000. Erwartet waren 1.710.000 nach revidiert 1.695.000 in der Vorwoche. Mit 189.000 Anträgen liegen die Erstanträge gleichauf mit dem bisherigen Jahrestief – dem niedrigsten Stand seit 1969. Wer seinen Job verliert, findet allerdings weiterhin nur zäh eine neue Stelle, wie der Anstieg der Folgeanträge zeigt.
Die Produktivität hat kräftig angezogen: Sie wuchs nicht nur stärker als erwartet, auch der Wert für das Q2 wurde von 1,4 auf 2,1 Prozent angehoben. Die Lohnstückkosten ergeben sich aus dem Verhältnis von Stundenvergütung und Produktivität. Weil die Produktivität stärker zulegte als die Löhne, sanken die Kosten je produzierter Einheit – der Kostendruck in den Unternehmen hat spürbar nachgelassen. Für das Q2 fällt der Anstieg der Lohnstückkosten mit 1,9 Prozent allerdings höher aus als bislang ausgewiesen, zuvor waren es 1,2 Prozent.
Darum sind die Daten für die Kursentwicklung wichtig
Die Erstanträge sind der schnellste Gradmesser für den US-Arbeitsmarkt, die Lohnstückkosten das Bindeglied zwischen Arbeitsmarkt und Preisen. Anders als der Verbraucherpreisindex zeigen sie den Kostendruck, der aus den Löhnen in den Unternehmen entsteht – ein Frühindikator für die Preise von morgen. Zusammen beantworten beide Zahlen die Frage, die die Fed umtreibt: Ist der Arbeitsmarkt so fest, dass er die Inflation befeuert? Derzeit bauen die Unternehmen kaum Personal ab, stellen aber auch wenig ein. Im September entstanden außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 Prozent. Die Fed hatte den Leitzins im September auf 3,75 bis vier Prozent angehoben und ihn am 28. Oktober bestätigt – zwei Mitglieder stimmten dabei sogar für eine weitere Anhebung. Die heutigen Zahlen zeigen einen festen Arbeitsmarkt, der dank hoher Produktivität dennoch keinen zusätzlichen Kostendruck erzeugt.
Seit Mitte September bewegen sich die Erstanträge in einem engen Band auf oder unter der Marke von 200.000. Es ist die achte Woche in Folge mit höchstens 200.000 Anträgen. Bei der Produktivität setzt sich die Beschleunigung fort: nach 2,1 Prozent im Q2 nun 3,6 Prozent im Q3.
Wichtig zu wissen
Die Entlassungswelle, vor der Pessimisten seit Monaten warnen, bleibt aus. Zugleich schlagen die Löhne dank kräftiger Produktivität nicht in die Kosten durch – das nimmt Druck von der Fed.
Den Ausschlag gibt der Arbeitsmarktbericht am Freitag, 6. November, um 14:30 Uhr. Am 8. Dezember folgen die revidierten Produktivitätsdaten – einen Tag vor der nächsten Zinsentscheidung.
Vorbörslich notieren die Futures auf den Dow Jones 0,6 Prozent höher, beim S&P 500 beträgt das Plus 0,1 Prozent, die Futures auf den Nasdaq 100 verlieren 0,9 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bleibt unverändert bei 4,91 Prozent. Gold kostet 4.124 Dollar je Feinunze, ein Barrel WTI kostet 89,8 Dollar. Der Euro notiert bei 1,12 Dollar.
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