Steigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen von aktuell 5,13 auf 5,62 Prozent, sieht Evercore ISI die KI-Rally ernsthaft in Gefahr. Die Warnung fällt mitten in die Berichtssaison der Hyperscaler: Meta legt am Mittwoch nach US-Börsenschluss vor, Microsoft folgt am 28. Oktober, Alphabet voraussichtlich ebenfalls, Amazon am 29. Oktober.
Hyperscaler-Zahlen: Warum die Zinsen mitrechnen
Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta haben für 2026 zusammen Investitionen von rund 730 Milliarden Dollar angekündigt, nach etwa 410 Milliarden Dollar im Vorjahr. Für 2027 rechnet Evercore bereits mit 1,3 Billionen Dollar. Zusammen stehen die vier für 17,5 Prozent des S&P 500: Microsoft 5,95 Prozent, Alphabet mit beiden Aktiengattungen 5,46, Amazon 3,72 und Meta 2,37 Prozent. Mit Nvidia und Apple ist es fast ein Drittel des Index. Weil der freie Cashflow laut Evercore ins Minus gedreht hat, fließt ein wachsender Teil der Investitionen über Anleihen. Jeder Renditeanstieg verteuert damit den KI-Ausbau.
Stratege Julian Emanuel macht den Ernstfall nicht an der Rendite allein fest: In den Jahren 2000 und 2018 sowie in Japans Blase 1989 fielen Aktien erst massiv, als sich die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen von historisch engen Niveaus ausweiteten. Evercore achtet deshalb auf drei Warnsignale. Das erste ist der Preis, den Anleger für eine Versicherung gegen den Ausfall solider Unternehmen zahlen. Das zweite ist dieselbe Versicherung für riskantere Hochzinsanleihen. Steigen beide Preise über ihre bisherigen Hochs, wächst die Angst vor Zahlungsausfällen. Das dritte sind die Gewinnschätzungen der Analysten: Sinken sie, kommt der Zinsdruck in den Bilanzen an.
Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase im Jahr 2000 lag die Rendite bei 6,82 Prozent. Heute liegt die Schmerzgrenze laut Evercore tiefer, weil die US-Staatsschulden von 60 auf etwa 124 Prozent der Wirtschaftsleistung gestiegen sind. Zugleich bleibt Evercore in seinen KI-Favoriten investiert, bis Kredite oder Gewinne Stress zeigen. Emanuel warnt dennoch: „Diesmal ist es nicht anders.“
Der S&P 500 schloss gestern bei 7.691 Punkten und liegt 1,96 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 7.845 Punkten. Direkt am Kurs verläuft die 50-Tage-Linie bei 7.705 Punkten, der Index notiert 0,19 Prozent darunter. Die tragende Unterstützung ist die 200-Tage-Linie bei 7.276 Punkten, Abstand 5,7 Prozent. Ein Schluss darunter würde den Aufwärtstrend seit dem Frühjahr infrage stellen.
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