Die Erzeugerpreise in den USA sind im September um 1,3 Prozent zum Vormonat gestiegen – erwartet waren 0,5 Prozent. Die Jahresrate sprang auf 6,3 Prozent nach 5,6 Prozent im August. Ohne Nahrung und Energie stiegen die Preise um 0,7 Prozent (erwartet 0,3 Prozent), die Kernrate liegt nun bei 5,0 Prozent nach 4,8 Prozent.
Zur selben Minute meldete das Handelsministerium für den Einzelhandel ein Umsatzplus von 0,8 Prozent, Volkswirte hatten mit 0,3 Prozent gerechnet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen bei 199.000 (erwartet 200.000), die fortgesetzten Anträge wie erwartet bei 1,71 Millionen. Die Industrieumfragen fielen gemischt aus: Der Index der Philly Fed kam auf 20,9 Punkte (erwartet 28,4), der Empire-State-Index auf 25,5 Punkte (erwartet 10,3).
- Erzeugerpreise plus 1,3 Prozent zum Vormonat, Kernrate plus 0,7 Prozent – jeweils mehr als doppelt so viel wie erwartet
- Einzelhandel plus 0,8 Prozent, Kontrollgruppe aber nur plus 0,1 Prozent – bei 0,6 Prozent Inflation real ein Minus im Kern des Konsums
- Arbeitsmarkt: Erstanträge 199.000 (erwartet 200.000), fortgesetzte Anträge 1,71 Millionen
- Industrie: Philly Fed 20,9 Punkte (erwartet 28,4), Empire State 25,5 Punkte (erwartet 10,3)
US-Erzeugerpreise: Kernrate bei 5,0 Prozent
Auch der Vormonat fiel heißer aus als gemeldet: Das Arbeitsministerium revidierte den Augustwert von 0,4 auf 0,5 Prozent, die Jahresrate von 5,4 auf 5,6 Prozent. Ohne die schwankungsanfälligen Bereiche Nahrung und Energie stiegen die Erzeugerpreise im September um 0,7 Prozent zum Vormonat und um 5,0 Prozent zum Vorjahr. Erwartet waren 0,3 und 4,4 Prozent nach 0,2 und revidiert 4,8 Prozent im August. In der engeren Abgrenzung ohne Nahrung, Energie und Handel, auf die viele Volkswirte schauen, ergab sich ein Plus von 0,5 Prozent zum Vormonat und 5,0 Prozent zum Vorjahr, nach 0,3 und revidiert 4,8 Prozent. Der Index stieg auf 159,78 Punkte nach 157,411.
Das ist der entscheidende Punkt des Tages: Der Preisschub kommt nicht mehr nur aus Benzin und Diesel. Wenn die Kernrate binnen eines Monats um 0,7 Prozent steigt, geht der Ölschock in die Breite – in Transport, Vorprodukte und Dienstleistungen.
US-Einzelhandel: Umsatz steigt um 0,8 Prozent
Der Augustwert wurde von 1,2 auf 1,3 Prozent revidiert. Ohne Autos stiegen die Umsätze im September um 0,9 Prozent (erwartet 0,5 Prozent), ohne Autos und Tankstellen aber nur um 0,2 Prozent nach revidiert 1,1 Prozent. Die Lücke zwischen beiden Werten zeigt, wo das Geld hinfloss: an die Zapfsäule. Benzin war im September 9,1 Prozent teurer als im August. Die Kontrollgruppe ohne Autos, Benzin, Baumaterial und Gastronomie, die direkt ins Bruttoinlandsprodukt eingeht, legte nur um 0,1 Prozent zu. Erwartet waren 0,3 Prozent, den Augustwert senkte das Ministerium von 1,4 auf 1,2 Prozent.
Entscheidend ist der Blick hinter die nominale Zahl. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,6 Prozent. Die Gesamtzahl liegt knapp darüber, real bleibt ein kleines Plus. Im Kern des Konsums aber haben die Amerikaner preisbereinigt weniger gekauft – sie zahlen vor allem mehr fürs Tanken.
US-Arbeitsmarkt: Erstanträge bei 199.000
Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der Woche bis 10. Oktober leicht auf 199.000. Erwartet waren 200.000 nach revidiert 198.000. Damit liegen die Erstanträge die fünfte Woche in Folge unter 200.000 – so eine Serie gab es zuletzt im Jahr 1969. Der Vierwochenschnitt liegt bei 198.500, die fortgesetzten Anträge kamen wie erwartet auf 1,71 Millionen nach 1,714 Millionen. Der Arbeitsmarkt bleibt eng – und gibt der Fed damit keinen Grund zur Zurückhaltung.
US-Industrie: Philly Fed bei 20,9, Empire State bei 25,5 Punkten
Der Industrieindex der Philadelphia Fed fiel im Oktober auf 20,9 Punkte. Erwartet waren 28,4 Punkte nach 37,8 im September, Werte über null stehen weiter für Wachstum. Alarmierend sind die Details: Die Neuaufträge brachen von 29,2 auf 4,3 Punkte ein, die Beschäftigung sank von 11,8 auf 9,1. Die bezahlten Preise gingen von 48,6 auf 43,2 Punkte zurück. Der Ausblick auf die Geschäftslage in sechs Monaten fiel von 52,9 auf 33,0 Punkte, der Index für geplante Investitionen von 37,1 auf 34,9.
Ganz anders New York: Der Empire-State-Index sprang von 7,6 auf 25,5 Punkte und lag damit weit über den erwarteten 10,3 Punkten – und auch über dem starken August mit 20,6 Punkten. Das Bild der Industrie bleibt damit zweigeteilt.
Darum sind die Zahlen für die Kursentwicklung wichtig
Der Tag beantwortet die Frage, die seit dem heißen Verbraucherpreisbericht vom Mittwoch im Raum steht. Wie viel Kostendruck steckt noch in der Kette? Mehr als befürchtet: Die Erzeugerpreise liegen mit 6,3 Prozent nun 2,6 Prozentpunkte über der Verbraucherinflation von 3,7 Prozent. Zahlt der Verbraucher ihn? Nur noch an der Zapfsäule. Diese Mischung aus steigenden Kosten und real schwächelndem Konsum trifft die Margen der Unternehmen – mitten in der Berichtssaison.
Für die Fed zählen die Erzeugerpreise doppelt: Flugpreise, Arzt- und Krankenhausleistungen sowie Gebühren der Vermögensverwaltung fließen direkt in den PCE-Deflator ein, ihr bevorzugtes Inflationsmaß. Die Notenbank hat den Leitzins am 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, ihre Projektionen sehen Ende 2026 im Mittel 4,1 Prozent.
Wichtig zu wissen
Für die Fed ist das die unbequemste Mischung: Die Preise ziehen in der Breite an, während der Konsum unter der Oberfläche an Kraft verliert. Nach Verbraucher- und Erzeugerpreisen wird sie dennoch dem Preisdruck Vorrang geben müssen – der enge Arbeitsmarkt nimmt ihr das wichtigste Gegenargument. Eine zweite Zinserhöhung am 28. Oktober ist damit deutlich wahrscheinlicher geworden.
Die nächsten Termine: Am Freitag um 15:15 Uhr folgt die US-Industrieproduktion für September. Die Fed entscheidet am Mittwoch, 28. Oktober, um 19:00 Uhr unserer Zeit über die Zinsen.
Vorbörslich notiert der Dow Jones 0,2 Prozent höher, der S&P 500 liegt 0,4 Prozent im Minus, die Nasdaq 1,3 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei 5,05 Prozent – höhere Zinsen treffen vor allem die hoch bewerteten Technologiewerte. Öl der Sorte WTI kostet 95 Dollar je Barrel, Gold 4.160 Dollar je Feinunze.
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