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Fed heute in Jackson Hole: Warsh spricht – jetzt wird es ernst mit höheren Zinsen

Fed heute in Jackson Hole: Warsh spricht – jetzt wird es ernst mit höheren Zinsen
Foto: Sipa USA/picture alliance/dpa
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Ingo Nix Heute, 07:47 Ingo Nix
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Heute gegen 16:00 Uhr deutscher Zeit tritt Kevin Warsh in Jackson Hole ans Rednerpult, zum ersten Mal als Chef der Fed. Die Vorlage dafür hat ihm eine eigene Kollegin geliefert: Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland-Fed, sagte am Donnerstag in einem Interview des Senders CNBC, sie halte den Zeitpunkt zum Handeln für gekommen. Gemeint ist eine Zinserhöhung – der Leitzins liegt seit Monaten in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Hammack gehörte am 29. Juli zu den drei Mitgliedern des Offenmarktausschusses der Fed, die gegen die Zinspause stimmten und eine Anhebung um einen Viertelpunkt forderten. 

Damit trägt sie den Konflikt, der im Sommer offen ausgebrochen ist, in den wichtigsten geldpolitischen Termin des Jahres hinein. Ihr Argument ist nicht die aktuelle Inflation, sondern die Dauer: Je länger die Teuerung über dem Ziel von zwei Prozent liege, desto schwerer werde die Rückkehr – und desto größer die Gefahr, dass sich eine Inflationsmentalität in den Köpfen festsetze. Bereits Mitte August hatte Hammack deutlich gemacht, dass es aus ihrer Sicht nicht bei einem einzelnen Schritt bleiben dürfte: Ein Viertelpunkt allein bewege für die Wirtschaft wenig.

Dieselben Zahlen, zwei Lesarten

Am Mittwoch kam die Zahl, auf die die Fed am meisten schaut: der Preisindex der privaten Konsumausgaben. Er lag im Juli 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert, die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie bei 3,3 Prozent. Das Ziel der Fed sind zwei Prozent. Die Notenbank ist also weit davon entfernt – und sie kommt seit Juni nicht näher heran. Schlimmer noch: Von Monat zu Monat ziehen die Preise sogar wieder leicht an, vor allem bei Dienstleistungen. 

Die Gegenseite verweist auf den Rest der Wirtschaft. Im Juli haben die USA überraschend Stellen abgebaut, die Kernrate der Verbraucherpreise ohne Energie und Nahrungsmittel sank auf 2,5 Prozent und die Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal nur noch mit annualisiert 1,5 Prozent. Dazu kommt: Die Teuerung hat ihre Ursache vor allem im Irankrieg und in den Zöllen – also in Kosten, die sich durch Zinsen nicht senken lassen. Wer in einen schwächelnden Arbeitsmarkt hinein die Zinsen erhöht, riskiert genau die Rezession, die er verhindern will. 

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Was der Terminmarkt heute Morgen einpreist

Das FedWatch-Tool der Terminbörse CME rechnet die Preise der Fed-Funds-Futures in Wahrscheinlichkeiten um: Wer für steigende Zinsen ist, hebt den Wert; wer auf eine Pause setzt, senkt ihn. Das ist keine Prognose der Notenbank, sondern der Preis, den der Markt dafür verlangt – und genau deshalb zeigt er, was eine Rede noch bewegen kann.

Für die Sitzung am 16. September stehen 33,7 Prozent für eine Anhebung und 66,3 Prozent für eine Pause. Vor einem Monat war das Verhältnis umgekehrt: rund zwei Drittel sprachen für einen Schritt. Der schwache Arbeitsmarktbericht hat diese Erwartung gekippt. Aufgehoben hat er sie nicht – für den 9. Dezember liegt die Anhebungswahrscheinlichkeit bei 74,2 Prozent, für den 27. Januar 2027 bei 79,5 Prozent. Und knapp 30 Prozent der Dezember-Preisstellung entfallen bereits auf mehr als einen Schritt. Eine Zinssenkung preist der Markt über den gesamten Zeitraum praktisch mit null. 

Für diesen Handelstag heißt das: Je niedriger die eingepreiste Wahrscheinlichkeit vor der Rede, desto größer der Hebel eines hawkishen Satzes. Bestätigt Warsh die Linie von Hammack, muss der Markt eine Erhöhung erst wieder einpreisen – das trifft zuerst die kurzen Laufzeiten, den Dollar und die Technologiewerte. Bleibt er bei der Linie der Datenabhängigkeit, sollte die Reaktion kleiner ausfallen.

Das offizielle Thema des Symposiums lautet „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy“. Warsh hat sich seit seinem Amtsantritt im Mai ungewöhnlich selten festgelegt, im Juni verzichtete er sogar bewusst auf einen eigenen Punkt im Fed Dot Plot. Genau das macht den heutigen Auftritt so schwer kalkulierbar: 19 Tage vor der Entscheidung der Fed im September ist es seine letzte große Bühne ohne den Zwang einer offiziellen Formulierung. Der Optionsmarkt preist für den heutigen Handelstag eine implizite Tagesbewegung im S&P 500 von rund 0,7 Prozent ein.

Der eigentliche Druckpunkt liegt dabei womöglich gar nicht am kurzen Ende. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen notiert bei rund 5,2 Prozent. Das Finanzministerium hat im August eine Ausweitung seiner Anleiherückkäufe angekündigt, ohne dass die Entlastung Bestand hatte. Wie viel Kooperation zwischen Fed und Treasury Warsh für vertretbar hält, ist deshalb eine weitere offene Frage dieses Nachmittags.

Die Fed hat kein Datenproblem, sondern ein Deutungsproblem. Dieselben Zahlen stützen die Falken über die Jahresrate und die Tauben über den Monatstrend. Drei Fragen entscheiden über die Zinsfrage: ob er die Jahresrate oder den Monatstrend zum Maßstab macht, ob er den Stellenabbau im Juli als Wendepunkt oder als Ausreißer einordnet und ob die Stimme der Cleveland-Fed-Präsidentin Gewicht hat. Für Anleger ist dieser Nachmittag damit wichtiger als jede einzelne Konjunkturzahl der kommenden zwei Wochen.

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