14.08.2019 Martin Mrowka

DAX und Co. zittern sich nach oben - Magere Daten aus China und Deutschland - Gute Zahlen von Nordex und Evotec

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DAX
Trendthema

Während von Konjunkturseite her trübe Signale aus China und Deutschland verunsichern, erfreuen mehrere gute Quartalszahlen von deutschen Unternehmen. Unter anderem kann RWE auf einen Gewinnanstieg zurückblicken. Auch die TecDAX-Werte Evotec und Nordex lassen Anleger-Herzen erfreut pulsieren.

Weltweit atmen die Anleger an den Börsen am Mittwoch angesichts der Verschiebung der US-Strafzölle auf chinesische Importe weiter durch, auch in Frankfurt. Der deutsche Leitindex DAX wurde kurz vor Xetra-Start 0,1 Prozent höher taxiert bei 11.761 Punkten. Bereits am Vortag hatte das Barometer von der Nachricht, dass die USA und China sich im Handelsstreit möglicherweise wieder annähern, profitiert und daraufhin im Plus geschlossen.

Die Verschiebung der US-Strafzölle auf bestimmte chinesische Importwaren beflügelte die Börsen weltweit. Geschenkartikel wie iPhones, Turnschuhe oder auch manche Kleidungsstücke sind bis 15. Dezember von den von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzöllen auf chinesische Güter in Höhe von 10 Prozent ausgeschlossen. Eigentlich sollten die Sonderzölle ab September greifen. - Was heute an den Börsen Einfluss auf die Kurse nehmen dürfte.

Vorgaben aus den USA

An der Wall Street haben die Anleger am Dienstag nach der Schwäche zu Wochenbeginn viel Mut geschöpft. Anlass dazu gaben ihnen neue Signale im Handelsstreit mit China. Aus den USA hieß es, dass neue Zölle auf chinesische Importe in den Dezember verschoben werden. Aus China wiederum wurden baldige telefonische Verhandlungen in Aussicht gestellt. Unter den Anlegern keimte so wieder Hoffnung auf, dass es doch noch Fortschritte im festgefahrenen Zollstreit geben könnte. Nach verhaltenem Start setzte der Dow Jones Industrial zu einer frühen Rally bis auf knapp 26.427 Punkte an, was den höchsten Stand seit Anfang August bedeutete. Am Ende brachte er mit 26.279 Zählern ein Plus von 1,5 Prozent über die Ziellinie. Er glich so seine Vortagsverluste in etwa wieder aus.

Vorgaben aus Fernost

Die Börsen Asiens haben am Mittwoch von leichten Entspannungssignalen im Handelsstreit zwischen den USA und China profitiert. In Japan schlosse der Nikkei 225 um 1,0 Prozent verbessert bei 20.665 Punkten. An Chinas Festlandbörsen ging es für den CSI 300 zuletzt um 0,84 Prozent nach oben und in Hongkong stieg der Hang Sang um 0,7 Prozent.

Gedämpft dürfte die Freude der Börsianer aber durch schwache Konjunkturdaten: Die Produktion im Industriesektor Chinas stieg im Juli auch wegen der Folgen des Handelsdisputs mit den USA Vereinigten Staaten so langsam wie seit 2002 nicht mehr. Auch der Einzelhandelsumsatz sowie die Investitionen fielen im Juli enttäuschend aus. Wie bereits bekannt, wuchs die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal um 6,2 Prozent - das niedrigste Niveau seit fast drei Jahrzehnten.

Handelsstreit USA vs. China

China will laut einem Medienbericht an den geplanten Handelsgesprächen mit den USA im September trotz großer Skepsis für die Erfolgsaussichten festhalten. Auch nach der Eskalation im Handelskonflikt der beiden größten Volkswirtschaften der Welt in den vergangenen Wochen sollen die Gespräche der beiden Delegationen in Washington stattfinden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch und berief sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter Chinas. Einer dieser Vertreter habe aber klar gemacht, dass die chinesische Seite die Erfolgsaussichten skeptisch einschätze.

US-Präsident Donald Trump hatte die jüngsten Gespräche mit China zu einem Handelsabkommen indes als "sehr produktiv" bezeichnet. Es sei ein sehr gutes Gespräch gewesen, China wolle unbedingt ein Handelsabkommen, sagte Trump am Dienstag. Peking habe auch signalisiert, mehr landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen zu wollen, sagte Trump.

Konjunkturdaten

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist im zweiten Quartal 2019 gesunken. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Dies war von Analysten erwartet worden. Zum Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Die BIP-Daten aus der Euro-Zone folgten um 11 Uhr. Zeitgleich erscheinen die Zahlen zur Industrieproduktion der Euro-Zone. Um 14.30 Uhr laufen in den USA die Import- und Exportpreise über die Ticker, die Rohöl-Lagerbestände bewegen um 16.30 Uhr die Stimmung am Ölmarkt.

Quartalszahlen

Unter den Einzelwerten standen die Aktien von RWE im Anlegerfokus. Sie stiegen im vorbörslichen Geschäft auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs vom Vortag um 1,4 Prozent. Der Energiekonzern machte dank eines starken Energiehandelsgeschäfts im ersten Halbjahr deutlich mehr Gewinn.

Ein optimistischerer Jahresausblick des Biotech-Unternehmens dürfte den Evotec-Aktien am Mittwoch frischen Schwung verleihen. Die Papiere des MDAX-Konzerns stiegen am Morgen bei der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um sechs Prozent auf 26,01 Euro.

Der angeschlagene Kabel- und Bordnetz-Spezialist Leoni verbuchte im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 44 Millionen Euro nach einem Gewinn von 41 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Aktien legten auf Tradegate um 1,7 Prozent zu.

Auch Nordex-Aktien dürften nach der Vorlage von Quartalszahlen einen Erholungsversuch starten. Sie stiegen vorbörslich im Vergleich zum Xetra-Schluss um rund viereinhalb Prozent auf 10,25 Euro. Gewinnseitig habe der Hersteller von Windkraftanlagen besser abgeschnitten als befürchtet,während der Umsatz die Erwartungen insgesamt erfüllt habe, sagte ein Händler. Das Unternehmen profitiere von der soliden Auftragslage.

Weitere Quartalszahlen melden unter anderem folgende Unternehmen: Adler Real Estate, Ado Properties, Axel Springer, Bilfinger, Cancom, Cisco Systems Gesco, HHLA, LPKF, Prudential, Singulus, Shop Apotheke, Stada, Va-Q-Tec und Zooplus.

Regierungskrise in Italien

In der Regierungskrise in Italien hat Rechtspopulist Matteo Salvini einen Rückschlag hinnehmen müssen. Die Forderung der rechten Lega nach einem raschen Misstrauensvotum fiel am Dienstagabend im Senat in Rom bei einer Abstimmung durch. Stattdessen soll sich Regierungschef Giuseppe Conte am kommenden Dienstag (20. August) im Senat zu der politischen Krise äußern. Salvini, der Innenminister und Vizepremier im Kabinett Conte ist, hatte das Regierungsbündnis mit der Fünf-Sterne-Bewegung vergangene Woche in die Krise gestürzt und dringt auf eine schnelle Neuwahl.

Proteste in Hongkong

Nach massiven Störungen des Flugverkehrs durch Protestaktionen hat der internationale Flughafen von Hongkong eine einstweilige Verfügung gegen Demonstranten erwirkt. Damit sollen "Personen davon abgehalten werden, rechtswidrig und vorsätzlich die korrekte Nutzung des Flughafens zu behindern oder stören", hieß es. Zudem wurden Protesten oder Demonstrationen außer in dafür freigegebenen Bereichen auf dem Gelände des Flughafens verboten.

Die chinesische Regierung hat nach Angaben der USA zwei amerikanischen Kriegsschiffen einen Aufenthalt im Hafen von Hongkong verweigert - inmitten der angespannten Lage in der Region. Die Regierung in Peking habe entsprechende Anfragen abgelehnt. Der Aufenthalt der beiden Schiffe in Hongkong habe "in den nächsten paar Wochen" stattfinden sollen. Einzelheiten wurden nicht genannt. Die US-Seite verwies für weitere Details an die Regierung Chinas.

US-Präsident Donald Trump zufolge bringt Chinas Militär derweil Truppen an der Grenze zu Hongkong in Stellung. Darüber sei er von den US-Geheimdiensten informiert worden, schrieb Trump auf Twitter. Alle Parteien sollten in dieser Lage Ruhe bewahren und für Sicherheit sorgen, so Trump weiter. Kurz zuvor hatte Trump vor Journalisten im Hinblick auf die angespannte Lage gesagt: "Ich hoffe, niemand wird verletzt. Ich hoffe, niemand wird getötet."

Mit Material von dpa-AFX