Der DAX hat zum Wochenauftakt deutlich nachgegeben. Neue Zolldrohungen aus den USA schüren die Angst vor einem eskalierenden Handelskonflikt mit Europa. Besonders exportabhängige Werte standen unter Druck. Unter den Einzelwerten sorgten neben Bayer im Positiven vor allem Adidas und die Autobranche für Bewegung.
Der deutsche Leitindex verlor am Montag 1,34 Prozent und schloss bei 24.959 Punkten. Damit fiel der DAX wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Zählern. In der Vorwoche hatte der Index noch ein Rekordhoch 25.507 Punkten erreicht. Auch die zweite Reihe geriet unter Druck: Der MDAX gab 1,61 Prozent auf 31.385 Punkte nach. An den europäischen Börsen setzte sich der Abwärtstrend ebenfalls fort: Der Euro Stoxx 50 büßte 1,72 Prozent ein.
Auslöser der Kursverluste waren neue Zollsorgen. US-Präsident Donald Trump drohte im Streit um Grönland mit Strafzöllen auf europäische Waren. Ab Februar sollen für ausgewählte Länder, darunter auch Deutschland, Zusatzabgaben von zehn, ab Juni sogar 25 Prozent greifen. Am Markt wächst die Sorge, dass sich ein neuer Handelskonflikt anbahnt, der über die klassischen Zollfragen hinausgeht. Marktteilnehmer verweisen auf die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen für Industrie, Handel und Investitionen. Entsprechend hoch war die Nervosität zum Wochenstart.
Besonders stark traf es die Autowerte. BMW verlor 3,4 Prozent. Zwischenzeitlich hatten die Papiere noch deutlich stärker unter Druck gestanden, da zusätzlich ein Kommentar von Berenberg, der auf eine schwache Nachfrage im Premiumsegment in China hinweist, belastete. Mercedes-Benz gaben 2,2 Prozent nach. Volkswagen und die Porsche AG verloren jeweils knapp drei Prozent. Die in Deutschland beschlossene Kaufprämie für E-Autos lieferte unterdessen kaum Auftrieb für Deutschlands Hersteller. Der europäische Autosektor rutschte zeitweise auf den tiefsten Stand seit Oktober. Auch Zulieferer standen unter Druck. Continental büßten rund 1,5 Prozent ein, Infineon gaben knapp drei Prozent nach.
BofA-Abstufung belastet Adidas
Schlusslicht im DAX war allerdings die Adidas-Aktie mit einem Minus von 5,2 Prozent. Ein Analyst der Bank of America stellte die Umsatzentwicklung im Schlussquartal infrage und verwies darauf, dass die Markterwartungen verfehlt worden sein könnten. Die ohnehin angespannte Stimmung im Sektor verschärfte sich dadurch weiter.
Bayer auf höchsten Stand seit Oktober 2023
Für einen der wenigen Lichtblicke sorgte Bayer. Die Aktie sprang um 7,0 Prozent nach oben und war klarer Topgewinner im DAX. Der Oberste Gerichtshof der USA hat einen weiteren Glyphosat-Fall zur Prüfung angenommen. Am Markt steigen damit die Hoffnungen auf ein Grundsatzurteil, das den seit Jahren belastenden Rechtsstreit beenden könnte.
Rüstung stabil – Rheinmetall vor Rekordhoch
Ebenfalls gefragt waren Rüstungswerte. Rheinmetall legten um 1,0 Prozent zu und näherten sich wieder dem Rekordhoch aus Oktober. Renk und Hensoldt hielten sich im schwachen Gesamtmarkt vergleichsweise stabil. Die erneut gestiegene geopolitische Unsicherheit stützt den Sektor.
Unter dem Strich bleibt die Lage angespannt. Die jüngsten Zolldrohungen haben die Risikobereitschaft der Anleger spürbar gedämpft. Der DAX hat einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder abgegeben. Ob die Marke von 25.000 Punkten schnell zurückerobert wird, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich der Ton im Handelsstreit entwickelt. DER AKTIONÄR hält Sie auf dem laufenden.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bayer.
Heute, 18:05