Der Start ins Krypto-Jahr 2026 glückte nach Maß. Bitcoin und Ethereum notieren seit Jahresbeginn rund sieben Prozent fester, spekulative Assets wie Dogecoin verbuchten sogar noch höhere Aufschläge. Doch die Partystimmung an den Märkten ist trügerisch. Für eine nachhaltige Rally muss der Sektor laut Matt Hougan, Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Bitwise, drei entscheidende Hürden nehmen.
Die Gewinnmitnahmen am Mittwoch machten es deutlich: Die Bullen sind noch nicht fest im Sattel. In einer aktuellen Notiz an Klienten analysiert Hougan die Lage nüchtern. Sein Befund: Während institutionelle Adoption und Tokenisierung langfristig stützen, hängt das kurzfristige Wohl von drei Faktoren ab.
Das Trauma vom 10. Oktober
Die erste und unmittelbarste Gefahr erklärt Hougan bereits für bewältigt: die Angst vor einem erneuten „System-Crash“ durch massive Liquidationen. Der 10. Oktober sitzt vielen Anlegern noch in den Knochen – damals radierten Zwangsliquidierungen an einem einzigen Tag Futures-Positionen im Wert von 20 Milliarden Dollar aus.
Die Sorge zum Jahreswechsel war daher konkret: Werden große Market Maker oder Hedgefonds ihre Bücher bereinigen und weitere Verkaufswellen auslösen? „Wäre es passiert, wäre es längst geschehen“, so Hougans Fazit. Da bis Silvester keine großen Wind-downs materialisierten, habe der Markt den Schock nun im Rückspiegel. Das Fundament für den Januar-Anstieg sei damit gelegt.
Der politische Showdown in Washington
Komplexer wird die Lage in der US-Hauptstadt. Im Fokus steht der „Clarity Act“, ein Gesetz zur Marktstruktur, dessen entscheidendes „Markup“ im Senat bereits für den 15. Januar terminiert ist.
Die Hürden sind hoch: Insbesondere bei der Aufsicht über DeFi und Stablecoin-Rewards gibt es Reibungspunkte. Zwar signalisierte David Sacks, Krypto-Beauftragter des Weißen Hauses, zuletzt Optimismus („näher als je zuvor“). Die Prognosemärkte bleiben jedoch skeptisch: Während die Plattform Kalshi die Wahrscheinlichkeit für eine Verabschiedung bis Mai nur auf 46 Prozent taxiert, steigt die Quote bis Jahresende immerhin auf optimistische 82 Prozent.
Die Abhängigkeit von der Wall Street
Der dritte Faktor liegt außerhalb der Blockchain. Hougan betont, dass Krypto zwar keinen Aktien-Boom benötigt, um zu performen, ein scharfer Abverkauf bei S&P 500 und Co jedoch auch digitale Assets mit in die Tiefe reißen würde. Aktuell preisen die Märkte eine Rezession für 2026 kaum ein – eine Variable, die dennoch für Unsicherheit sorgt.
Das Umfeld stimmt grundsätzlich: Institutionelle Gelder fließen, und der regulatorische Wind hat sich seit Anfang 2025 gedreht. Sollten Washington liefern und die Wall Street stabil bleiben, attestiert der Bitwise-CIO der aktuellen Rally „ernsthafte Ausdauer“ für den Rest des Jahres. Entscheidend bleibt allerdings nach wie vor, die 94.000-Dollar-Marke zu überwinden.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
08.01.2026, 08:30