Wer Bitcoin lediglich als Spielball kurzfristiger Zyklen betrachtet, verpasst laut VanEck das große Bild. Die These des US-Vermögensverwalters: Die Kryptoleitwährung ist kein taktisches Trading-Instrument, sondern die ultimative Versicherungspolice gegen den Kollaps des staatlichen Schuldensystems. Das errechnete Kursziel für das Jahr 2050 hat es daher in sich.
2,9 Millionen Dollar pro Coin. Das ist das „Base Case“-Szenario, das Matthew Sigel, Leiter des Digital-Assets-Research, und Senior-Analyst Patrick Bush modelliert haben. Die Prämisse für diesen Preissprung ist ambitioniert: Bitcoin müsste bis zur Jahrhundertmitte fünf bis zehn Prozent des weltweiten Handelsvolumens abwickeln und fünf Prozent des lokalen Binnenhandels erobern.
Der Grund: Die Analysten setzen auf eine fortschreitende „monetäre Entwertung“. Während kurzfristige Kursschwankungen oft nur ein Spiegelbild globaler Liquiditätszyklen und Hebelprodukte seien, profitiere Bitcoin langfristig von den „strukturellen Mängeln des staatlichen Schuldensystems“. Im Klartext: Je mehr die Fiat-Währungen unter der Schuldenlast ächzen, desto stärker wird die algorithmische Härte des Bitcoins nachgefragt.
Auf Augenhöhe mit dem Pfund
Sollte Bitcoin tatsächlich fünf bis zehn Prozent des weltweiten Handelsvolumens abwickeln, würde die Kryptowährung 1,6 Prozent der globalen Finanzanlagen repräsentieren und Zentralbanken dazu bewegen, rund 2,5 Prozent ihrer Reserven in die Blockchain zu verlagern. Zum Vergleich: Ein solcher Handelsanteil entspräche in etwa der heutigen Bedeutung des britischen Pfunds. Laut SWIFT-Daten kam das Pfund im September 2025 auf 7,4 Prozent des internationalen Zahlungsverkehrs, während der US-Dollar mit 47,8 Prozent weiterhin unangefochten dominiert.
Doch die Spannbreite der VanEck-Prognose ist gewaltig. Im „Bear Case“ – bei einem jährlichen Wachstum von lediglich zwei Prozent – landet der Kurs bei ernüchternden 130.000 Dollar. Das hyperoptimistische „Bull Case“-Szenario hingegen malt bei 20 Prozent jährlichem Wachstum einen Kurs von astronomischen 52,4 Millionen Dollar an die Wand.
So verlockend dieses Szenario für Bitcoin-Anleger auch klingen mag, die Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer solchen Situation dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen. Zudem findet die reale Nutzung im Außenhandel derzeit vor allem in sanktionierten Staaten wie Russland, dem Iran oder Venezuela statt, wo der Dollar als Waffe eingesetzt wird. Ob die G7-Notenbanken tatsächlich beginnen werden, Bitcoin zu horten, bleibt daher fraglich.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
09.01.2026, 08:44