Black Friday Rabattcode: BLACK21
Foto: Deutsche Börse, Deutsche Börse
06.05.2003 DER AKTIONÄR

Von der Schlange gebissen

-%
DAX

»Hebi ni kamareta kuchi nawa ni ojiru« sagt ein japanisches Sprichwort. Übersetzt heißt das: »Wer von einer Schlange gebissen worden ist, wird vor einem Seil Angst haben.« Treffender lässt sich die derzeitige Situation vieler Börsianer wohl kaum beschreiben. Nach mehr als drei Jahren Baisse, diversen Pleiten, Bilanzskandalen und in sich zusammenschrumpfenden Aktiendepots trauen sich viele Anleger an neue Aktieninvestments nicht mehr heran. Zu groß ist einfach die Angst, noch mehr Geld zu verlieren. Die Folge dieser nur zu verständlichen Aktien-Aversion ist, dass viele Anleger die rasante Erholung der letzten Wochen verpasst haben.

Aktien sind per Definition Risikopapiere. Aber während in den Boomzeiten der Begriff Risiko von den Anlegern nahezu komplett ausgeblendet worden ist, hat er sich mittlerweile in den Köpfen derart festgesetzt, dass die vielfältigen Chancen von Aktien kaum mehr wahrgenommen werden. Und von denen gab es im laufenden Börsenjahr schon mehr als genug. Vor allem bei Aktien aus dem Technologiesektor waren Kursgewinne von 50 Prozent und mehr keine Seltenheit. Der führende Technologie-Index Nasdaq Composite notiert seit Jahresbeginn zehn Prozent im Plus, beim deutschen Börsenbarometer Dax sind es immerhin sieben Prozent. Und das trotz Irak-Krieg, SARS und aller konjunkturellen Unsicherheiten.

Der jüngste Börsenaufschwung kam für viele Börsianer ähnlich überraschend wie das jähe Ende der mehrjährigen Hausse vor exakt drei Jahren. Die heutige Situation ist - mit umgedrehten Vorzeichen - mit der von damals vergleichbar: Nach den ersten größeren Kursverlusten im Mai 2000 glaubten viele Anleger, es handele sich lediglich um eine Korrektur in einem bestehenden Aufwärtstrend. Die Wirtschaft lief unter Volldampf und die Anleger hatten sich an fortlaufend steigende Kurse gewöhnt.

Mittlerweile wissen wir, dass der Glaube an ständig steigende Kurse damals die Wurzel allen Übels war. Heute könnte sich andersherum die festgesetzte Skepsis gegenüber Aktien als Basis für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung herausstellen. Denn mit der Zeit verheilen auch noch so kräftige Bisse von Schlangen.

Alfred Maydorn

Leitender Redakteur

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
DAX - Pkt.

Buchtipp: Stock-Picking mit Nebenwerten

Jeder Anleger kennt die Werte aus den großen Indizes. Außerhalb von DAX, MDAX und TecDAX nimmt die Coverage jedoch drastisch ab. Schon im SDAX werden nicht alle Titel regel­mäßig analysiert und wenn, dann nur von wenigen Experten. In ihrem zeitlosen, nun unverändert neu aufgelegten Klassiker „Stock-Picking mit Nebenwerten“ zeigt die im September 2020 verstorbene Börsenexpertin Beate Sander, wie Anleger erfolgreich auf die Suche nach interessanten Nebenwerten gehen können. Die Small-Cap-Indizes einfach durch Zertifikate nachzubilden dürfte angesichts der vergangenen Kurssteiger­ungen nicht mehr lohnend sein. Die gezielte Auswahl aussichtsreicher und unterbewerteter Papiere wird aber lukrativ bleiben. Dafür liefert Beate Sander gewohnt eloquent und kompetent das nötige Rüstzeug.
Stock-Picking mit Nebenwerten

Autoren: Sander, Beate
Seitenanzahl: 304
Erscheinungstermin: 15.07.2021
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-785-8