29.07.2003 DER AKTIONÄR

Liquidität heizt Aktienmarkt an

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Trendthema

Noch Anfang Januar 2003 rätselte man an der Börse darüber, ob es zu einer liquiditätsgetriebenen Hausse kommen könne oder nicht. Einer Umfrage unter Vermögensverwaltungsgesellschaften zufolge beliefen sich nämlich die Barmittelbestände im Januar auf nur 4,2 Prozent.
Sie fielen damit so niedrig wie noch nie in der Geschichte dieser monatlich stattfindenden Umfrage aus. Dieses Ergebnis ließ damals nur zwei Schlussfolgerungen zu: Entweder die Anleger hatten zuvor ihr Geld aus den Vermögensverwaltungsgesellschaften abgezogen, weil sie die Aktienmärkte als völlig überteuert einschätzten und mit weiteren herben Kursverlusten rechneten, oder die Fondmanager investierten bereits Ende 2002 einen großen Umfang des ihnen zur Verfügung stehenden Cashbestandes, weil sie an Schnäppchenpreise glaubten.
Mittlerweile hat sich der zweite Erklärungsversuch als der richtige herausgestellt. Denn ab März ist es dann tatsächlich zu einer kräftigen Aufwärtsbewegung an der Börse gekommen, die, so haben die aktuellen Unternehmensergebnisse gezeigt, von den Finanz- und Vermögensgesellschaften optimal ausgenutzt wurden. So kletterte der Gewinn der drei größten US-Banken im zweiten Quartal um rund 20 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar. Grund für die sprudelnden Gewinne ist neben den historisch gesehen äußerst niedrigen Zinsen und den dadurch angeheizten Rentenmärkten vor allem eben das florierende Geschäft mit den Aktien.
Es scheint also so, dass ausgerechnet die Banken, die sonst ja eher im Ruf stehen, extrem prozyklisch zu handeln, maßgeblich an der Auslösung der jüngsten Hausse beteiligt waren.
Da weiterhin davon ausgegangen werden kann, dass wir in näherer Zukunft erstens eine massive Umschichtung von Geldern aus dem Renten- in den Aktienmarkt erleben können und zweitens immer mehr institutionelle und private Anleger auf den positiven Verlauf der Börsen aufmerksam werden und ihr Geld Gewinn bringend investieren möchten, bedarf es keiner allzu großen hellseherischen Fähigkeiten, um eine Fortsetzung der liquiditätsgetriebenen Hausse zu prognostizieren.

Bernd Förtsch