13.05.2003 DER AKTIONÄR

Hoffnung bei EM.TV

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Trendthema

Und wieder einmal war in der vergangenen Woche der TV-Rechtehändler und ehemalige Star des Neuen Marktes EM.TV in den Schlagzeilen. Nach langen und zähen Verhandlungen entschloss man sich bei EM.TV nämlich dazu, die US-Tochter Jim Henson, die unter anderem die "Muppetshow" und "Sesamstraße" produziert, zu verkaufen. Für insgesamt 89 Millionen Dollar geht das Unternehmen an die Kinder des Gründers Henson.
Der Verkauf von Jim Henson wurde seitens EM.TV als Erfolg gefeiert. Schließlich habe man mit dem Erlös  die Liquidität des Unternehmen sichern können. So plane man unter anderem, einen bereits seit Ende 2002 fälligen Kredit zurückzuzahlen.
Doch was uns die Verantwortlichen von EM.TV als einen Erfolg verkaufen wollen, ist eigentlich eine durch und durch schmachvolle Niederlage. Jim Henson wurde nämlich von EM.TV erst im Jahr 2000 für 680 Millionen Dollar der Familie Henson abgekauft. Unter dem Strich muss EM.TV damit innerhalb von nur drei Jahren einen Wertverlust von 591 Millionen Dollar hinnehmen. Eine absolut miese Performance!
Der frühere EM.TV-Chef Thomas Haffa hatte die Jim Henson Company noch zu Boomzeiten des Neuen Marktes gekauft. Wegen noch anderer überteuerter Zukäufe geriet EM.TV dann allerdings in die Krise. Im August 2001 übernahm Werner Klatten den Vorstandsvorsitz von EM.TV und fährt seitdem einen rigorosen Sanierungs- und Schrumpfungskurs.
Man sollte als Aktionär also EM.TV nicht völlig abschreiben. Es kann gut sein, dass der krisenerprobte Werner Klatten, ehemals Sat.1-Geschäftsführer, EM.TV zu einem neuen Leben verhelfen kann. Schließlich verfügt er über glänzende Geschäftskontakte. So ist er mit der Bad Homburger Industriellenfamilie Quandt verwandt, die an dem Autohersteller BMW maßgeblich beteiligt ist: Quandt-Erbin Susanne Klatten ist die Ehefrau seines Bruders.
Den leidgeprüften Aktionären von EM.TV wäre ein Comeback des Unternehmens, wie auch immer dieses dann konkret aussehen mag, auf jeden Fall zu wünschen.    

Ihr Bernd Förtsch