21.10.2003 DER AKTIONÄR

Chinas Griff nach den Sternen

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Trendthema

Willkommen im "Club der Raumfahrer"! Nach der Sowjetunion und den USA ist die Volksrepublik China die dritte Nation, die es geschafft hat, einen Menschen in das Weltall zu befördern. Am vergangenen Donnerstag landete im mongolischen Grasland die erste bemannte chinesische Raumkapsel, die nur wenige Stunden zuvor vom Weltraumbahnhof Jiuquan in der Wüste Gobi in den Orbit geschossen wurde. Das Raumschiff, das die Chinesen auf den Namen "Shenzhou" tauften, was soviel heißt wie "Göttliches Schiff", wurde von Raketen der Marke "Langer Marsch" in den Himmel getragen.

Für China ist die gelungene Raumfahrtmission weit mehr als nur ein Prestigeobjekt. Sie ist vor allem ein Signal an die Weltgemeinschaft, Peking als ernst zu nehmenden Partner zu akzeptieren. Chinas "langer Marsch" zur Weltmacht nimmt Konturen an: die Olympischen Spiele im Jahr 2008, Weltausstellung und Mondlandung in 2010 und die Verwirklichung der Freihandelszone mit der asiatischen Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN in 2012 geben einen überschaubaren Zeitrahmen vor.

Während sich die europäischen Staaten mit dem wachsenden Einfluss Chinas anfreunden, ja sogar von diesem profitieren können - man denke nur an die vielen deutschen Unternehmen, die einen bedeutenden Teil ihrer Gewinne in Fernost erwirtschaften - geht in den USA die Angst um.

Seit Jahren schon versuchen US-Politiker, den Einfluss Chinas zurückzudrängen. So verhinderten sie Anfang der 90er-Jahre Pekings Einstieg in das internationale Weltraumprojekt ISS. Und auch das europäische Satellitenprogramm Galileo soll, so wünscht es das Weiße Haus, ohne chinesisches Zutun aufgebaut werden. Dabei ist es gerade diese Ausgrenzungspolitik, die die Regierenden in Peking zu immer neuen Höchstleistungen anspornt. Die USA werden lernen müssen, mit einem gleichgestellten Partner Macht und Einfluss zu teilen.

Und auch für die Anleger wird die Zukunft einige grundlegende Neuigkeiten bereit halten, an die man sich am besten jetzt schon gewöhnt. Nicht mehr die Wall Street allein wird die Trends vorgeben, sondern auch die Börse in Shanghai. Mit der Begrüßung "Guten Morgen aus Shanghai " werden dann die täglichen Börsennews beginnen und sie werden es sein, die darüber entscheiden, ob der Dax steigt oder fällt.

Olaf Hordenbach