14.01.2003 DER AKTIONÄR

Börse schöpft Hoffnung

-%
DAX
Trendthema

Kommt es nun doch nicht zum Krieg im Nahen Osten? Nach Informationen aus Regierungs- und Diplomatenkreisen bereitet der russische Präsident Wladimir Putin eine Friedensinitiative vor, um einen drohenden Irakkrieg zu vermeiden. Bereits seit November 2002 halten sich russische Offizielle in der irakischen Hauptstadt Bagdad auf, um Saddam Hussein und seine Gefolgsleute zu einer friedlichen Abdankung und zum Gang ins Exil nach Russland zu überreden. Sollten sie damit Erfolg haben, würde Präsident Putin persönlich nach Bagdad fliegen und die entsprechenden Verträge unterzeichnen.

Sogar US-Präsident Bush scheint mit der Initiative einverstanden zu sein, hat er doch, so war zu hören, Putin in einem Telefongespräch darum gebeten sich persönlich in die Irakkrise einzuschalten. Als Begründung führte er an, dass ein Krieg wegen der angespannten Wirtschaftslage in den USA und des eskalierenden Konflikts mit Nordkorea mit nicht einzuschätzenden Risiken verbunden wäre.

Die Bemühungen Moskaus um eine friedliche Beilegung des Konfliktes geschehen natürlich nicht ganz uneigennützig. Russland muss nämlich befürchten, dass bei einem US-Krieg gegen den Irak sämtliche Wirtschaftsverträge, die Russland seit dem ersten Golfkrieg 1991 mit dem Irak abgeschlossen hat, von einer Nachfolgeregierung in Bagdad aufgekündigt würden.

Hingegen wäre ein durch Präsident Putin herbeigeführter Frieden im Irak ein großer Erfolg Moskaus, der nicht nur das internationale Ansehen enorm steigern, sondern auch Russlands Einfluss im Nahen Osten sichern würde.

An der Börse in New York nahm man die russischen Bemühungen mit Freude auf. Zwar kann auch ein Krieg positiven Einfluss auf Wirtschaft und Börse haben, doch in einer friedlichen Welt lässt sich nun einmal besser leben (und spekulieren). Heraklits Ausspruch "Der Krieg ist der Vater aller Dinge" scheint nach über 2.500 Jahren endgültig ausgedient zu haben.

Ihr Bernd Förtsch