Die Aktie des britischen Wasserstoffspezialisten ITM Power kann heute prozentual zweistellig zulegen. Denn die staatliche Great British Energy Group Limited investiert über eine Privatplatzierung 40 Millionen Britische Pfund in ITM und hält künftig gut zehn Prozent. Könnte das zu einer Art Startschuss für ein nachhaltiges Wasserstoff-Comeback werden?
Denn ITM ist Mitglied im E-Mobilität Wasserstoff Index, in dem unter anderem auch Linde, SFC Energy oder Air Liquide vertreten sind. Dieser ist nun auf ein neues Jahreshoch geklettert.
Auch wenn sich der Siegeszug der Wasserstoff-Industrie nicht so rasch vollzieht wie noch vor wenigen Jahren erhofft, so gibt es doch Fortschritte, beispielsweise im Energiepark Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt in der Nähe von Halle (Saale). Erprobt werden soll in dem "Reallabor" fast alles: Ein Elektrolyseur mit einer Kapazität von bis zu 30 Megawatt soll mit Strom aus einem nahe gelegenen Windpark Wasserstoff produzieren. Zwischengespeichert werden soll er in einer Salzkaverne. Über eine umgestellte Erdgaspipeline wird er dann in das Wasserstoffnetz der chemischen Industrie eingespeist. Seit Ende 2025 wird die Anlage schrittweise in Betrieb genommen.
Auch im niedersächsischen Lingen wird gerade ein Elektrolyseur gebaut. 300 Megawatt Gesamtleistung soll die Anlage des Energiekonzerns RWE eines Tages haben. "Derzeit läuft der Inbetriebnahme-Prozess für die Module der ersten 100 Megawatt Elektrolyseleistung", sagt ein Sprecher. Bis Ende 2027 soll die ganze Anlage fertig sein und den Wasserstoff in ein neues Netz einspeisen. Läuft alles unter Volllast, kann sie etwa 5,6 Tonnen Wasserstoff pro Stunde produzieren, das macht in 24 Stunden gut 134 Tonnen.
Ist das viel oder wenig? Ein Beispiel verdeutlicht die in Deutschland nötigen Mengen. Deutschlands größter Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel baut in Duisburg gerade eine Anlage zur klimafreundlicheren Stahlerzeugung. Die "Direktreduktionsanlage" soll erst mit Erdgas betrieben werden, später soll immer mehr klimafreundlich hergestellter Wasserstoff verwendet werden.
Läuft diese Anlage eines Tages nur noch mit Wasserstoff, braucht sie etwa 143.000 Tonnen davon im Jahr, das wären täglich gut 390 Tonnen. Ähnlich große Anlagen entstehen aktuell auch im saarländischen Dillingen und im niedersächsischen Salzgitter. Die neuen Anlagen kosten jeweils mehrere Milliarden Euro. Ein Großteil davon wird durch Fördermittel gedeckt.
Doch nicht nur die Stahlindustrie wird Großabnehmer für Wasserstoff. Derzeit sind die mengenmäßig wichtigsten Einsatzgebiete Raffinerien und die Herstellung von Ammoniak, wie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) feststellt.
Diese Bereiche werden laut ISI wichtig bleiben, als weitere künftige Großabnehmer sieht das Institut neben der Stahlerzeugung den Transport- und Energiesektor: "Besonders hohe Relevanz besitzt Wasserstoff dort, wo direkte Elektrifizierung an physikalische oder wirtschaftliche Grenzen stößt."
Die Aussichten für SFC Energy, ITM Power & Co hellen sich weiter auf. Wer nicht auf Einzelaktien setzen will, kann auch mit dem Indexzertifikat mit der WKN DA0AAQ breit gestreut in alle acht Indexmitglieder investieren.
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Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 14:14