06.07.2019 Thomas Bergmann

Munich Re: Mehr für Sie

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MunichRe
Trendthema

In den Augen vieler Anleger ist das Niedrigzinsumfeld für einen großen Rück­versicherer wie die Munich Re eine große Belastung. Doch der DAX-Konzern beweist das Gegenteil. Die Munich Re ist eine der Top-10-Aktien im DAX in diesem Börsenjahr. Um 17 Prozent hat der Kurs des weltgrößten Rückversicherers zugelegt, hinzu kommt eine Dividendenrendite von über vier Prozent. Weitere Kursgewinne sind zu erwarten.

Eine hohe Dividendenrendite ist auch einer der Gründe, warum sich die Aktie so stark entwickelt hat und wahrscheinlich noch entwickeln wird. In Zeiten von Niedrigstzinsen schauen Anleger auf Unternehmen mit hohen Ausschüttungen. Und wenn wie im Fall der Munich Re die Dividenden seit Ewigkeiten stetig steigen, greift man viel beherzter zu.

Des einen Leid ist des anderen Freud. Während der deutsche Staat von den ultraniedrigen Zinsen profitiert, verlieren deutsche Sparer jährlich Milliarden. Wer Bundesfinanzminister Olaf Scholz für zehn Jahre Geld leiht, muss dafür noch Strafzinsen bezahlen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen liegt aktuell bei minus 0,36 Prozent und damit so tief wie noch nie.

Auch in den USA fallen die Zinsen. Dort erhält man für die gleiche Laufzeit immerhin noch 2,0 Prozent, nachdem es vor gut acht Monaten noch 3,237 Prozent waren. Bis zum Tief bei 1,358 Prozent ist es aber noch ein Stück.

Je niedriger die Zinsen, desto attraktiver sind Dividendenpapiere. Und hier kommt die Munich Re ins Spiel, einer der wenigen deutschen Dividendenaristokraten. Seit dem Jahr 1969 (!) hat das Unternehmen die Dividende erhöht oder konstant gehalten. Für 2018 schüttete der Rückversicherer 9,25 Euro je Aktie aus, ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Analysten mit einer erneuten Anhebung. 9,60 Euro pro Aktie werden durchschnittlich erwartet (4,3 Prozent). Das Mittel im DAX liegt hingegen bei etwa 3,2 Prozent. Nimmt man die 3,2 Prozent als fairen Maßstab für die Munich Re, müsste die Aktie in den nächsten Monaten auf 300 Euro steigen. Das wäre ein Plus von rund 35 Prozent.

Bleibt die Frage, ob die Gesellschaft die Dividende stabil halten kann, wenn die Zinsen in dem Tempo weiter fallen. Denn die großen Versicherer haben zig Milliarden in festverzinsliche Wertpapiere investiert – bei der Munich Re sind es rund 125 Milliarden Euro. Sinkende Anleiherenditen, so die Sorge vieler Anleger, belasten die Gewinne der Konzerne.

MunichRe (WKN: 843002)

Effekte heben sich auf

Nach Einschätzung der Munich Re scheint diese Angst aber unbegründet. „Die Effekte aus sinkenden Anleiherenditen sind gemischt, positiv und negativ, wobei die negativen Effekte teilweise durch Absicherungsprogramme aufgefangen werden würden“, so ein Unternehmenssprecher. Laut einer Analyse der Munich Re macht sich sowohl ein Rückgang der risikolosen Zinsen um 50 Basispunkte als auch ein Anstieg um 100 Basispunkte kaum in der Gewinn- und Verlustrechnung bemerkbar.

„Grob vereinfacht kann man sagen, dass sich sinkende Anleiherenditen positiv auf die Bewertungsreserven auswirken, woraus sich auch bei normalen Portfolioumschichtungen Veräußerungsgewinne ergeben würden“, so der Munich-Re-Sprecher. Auch das Eigenkapital würde sich von der Grundmechanik her verbessern.

Gleichzeitig hätten sinkende Anleiherenditen negative Auswirkungen auf die Wiederanlagerendite. Aufgrund der langfristigen Kapitalanlagen von Munich Re mache sich eine gesunkene Wiederanlagerendite aber erst im Laufe der Zeit deutlich im Kapitalanlageergebnis bemerkbar.

Was die zukünftigen Gewinne – Basis für jede Dividendenzahlung – betrifft, verfolgt Konzernchef Joachim Wenning einen klaren Plan. Bis 2020 soll das Nettoergebnis von heute 2,3 auf dann 2,8 Milliarden Euro gesteigert werden. „Wir werden liefern, da bin ich mir sicher“, sagte er vor Kurzem.

Cyber-Versicherungen als Chance

Für Optimismus gibt es Gründe genug. Laut Wenning sind weltweit im Schnitt nur 30 Prozent der Naturkatastrophen versichert. Eine größere Verbreitung von Versicherungen – vor allem im Hinblick auf den Klimawandel – sei dringend nötig.

Katastrophen gehören zu unserem Geschäft, aber auch in anderen Bereichen sehen wir erhebliche Wachstumschancen. Beispielsweise Cyberkriminalität. Schäden und Versicherungen werden stark wachsen, und wir werden mit von der Partie sein.

CEO Joachim Wenning Munich Re

Großes Potenzial sieht er für die Munich Re auch bei Cyber-Versicherungen. Schon heute werden die Schäden durch Cyberkriminalität weltweit auf 600 Milliarden Dollar geschätzt. Nicht einmal ein Prozent davon sei über Cyber-Versicherungen abgedeckt.

Der weltgrößte Versicherer hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten einen Namen als zuverlässiger Dividendenzahler gemacht. Und es ist anzunehmen, dass es auch in Zukunft immer etwas mehr für Sie als Anleger geben wird. Kaufen und liegen lassen!