13.11.2019 Fabian Strebin

Deutsche-Bank-Großaktionär Cerberus: 500 Millionen Euro bei Deutscher verbrannt

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Deutsche Bank
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Vor knapp zwei Jahren ist der als „Höllenhund“ bekannte US-Investor Cerberus bei der Deutschen Bank eingestiegen. Seit dem Engagement hat die Beteiligung etwa eine halbe Milliarde Euro an Wert eingebüßt. Die Kritik richtet sich vor allem an Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Laut Handelsblatt habe Cerberus mit anderen Großinvestoren über die Rolle von Achleitner gesprochen.  Nach einem Bericht der Financial Times sollen die Amerikaner sogar auf dessen Ablösung drängen. Nach Informationen des Handelsblatt treffe das allerdings nicht zu. Cerberus strebe einen geordneten Übergang an der Aufsichtsratsspitze an. Auch Blackrock und die Herrscherfamilie von Katar bewerten Achleitners Bilanz negativ, scheuen aber eine abrupte Entlassung.

Da die Bank gerade den größten Umbau der letzten Jahrzehnte begonnen habe, sei ein Wechsel des Aufsichtsratschef kontraproduktiv, meint ein Großinvestor. Ein neuer Chefaufseher würde für neue Unruhe sorgen, die die Bank in noch größere Schwierigkeiten bringen könnte. Zudem müsste erst einmal ein geeigneter Kandidat gefunden werden.

Damit scheinen die Großaktionäre trotz der Kritik an Achleitner doch auf Linie mit der Deutschen Bank zu sein. Laut Handelsblatt will Achleitner seinen Vertrag bis 2022 erfüllen. Er strebe aber keine weitere Amtszeit an. Zudem müsse er einen Nachfolger aufbauen, der aller Voraussicht nach von außen kommen werde.

Achleitners Performance bei der Deutschen Bank ist verheerend. Seit 2012 ist er Aufsichtsratschef. Im selben Jahr wurde mit Anshu Jain ein Investmentbanker Co-Vorstandsvorsitzender, der die Skandale dieser Sparte nicht aufarbeitete oder unterband. Der Nachfolger John Cryan erkannte zwar die Probleme der Bank, schaffte es aber nicht, einen radikalen Umbau hinzubekommen. Achleitner, der selbst aus dem Investmentbanking kam, hielt viel zu lang an der Sparte als Hauptsegment der Deutschen Bank fest – selbst als die Konkurrenz schon harte Einschnitte durchführte.

Charttechnisch hat sich das Bild wieder eingetrübt, die Aktie verliert heute fast vier Prozent. Damit wurde der Angriff auf die 200-Tage-Linie bei 7,03 Euro abgesagt. Die 100-Tage-Linie bei 6,84 Euro wurde nach unten durchbrochen, was ein kurzfristiges Verkaufssignal darstellt. Somit sieht es kurzfristig nicht gut aus für die Aktie. Auf Sicht von 12-Monaten bleiben die Risiken durch den Konzernumbau hoch. Die Eigenkapitaldecke ist auf Kante genäht, Fehler darf sich die Bank nicht mehr leisten.

DER AKTIONÄR rät Anlegern, die in den Bankensektor investieren wollen, in die USA auf JPMorgan auszuweichen. Wer es etwas spekulativer mag, kann auch auf die Sberbank aus Russland setzen. Um langfristige Renditen zu erzielen, eignet sich die Aktie der Deutschen Bank derzeit leider nicht.

Deutsche Bank (WKN: 514000)