Die gestern vorgestellten Quartalszahlen der Deutschen Bank kamen am Markt nicht gut an. Zwar konnte das Minus im Tagesverlauf eingedämmt werden, aber es war zum Handelsschluss noch immer deutlich. Heute verliert die Aktie erneut. DER AKTIONÄR erklärt, warum das übertrieben ist und was daraus folgt.
Es war das beste Quartal seit der Finanzkrise, was die Deutsche Bank gestern präsentierte, mit einem Nettogewinn von rund zwei Milliarden Euro. Die lange nicht aus dem Quark kommende Privatkundensparte steigerte den Vorsteuergewinn um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf Milliarden Euro, auch das Asset Management dreht auf. Es konnten 22 Milliarden an neuem Kapital eingesammelt werden.
Konzernweit waren die Umsätze mit einem Zuwachs von 2,3 Prozent ebenfalls besser als die erwartete Stagnation ausgefallen. Doch Anleger verkauften die Aktie ab. Einer der Gründe dürfte an der um 48 Millionen Euro auf 519 Millionen Euro gestiegenen Risikovorsorge gelegen haben. Ein Teil davon betraf aber freiwillige Rückstellungen aufgrund möglicher Folgeeffekte des Iran-Krieges.
Außerdem kam der Rückgang der harten Kernkapitalquote auf 13,8 Prozent für einige überraschend. Der zweite für das laufende Jahr geplante Aktienrückkauf ist indes schon geplant, 60 Prozent des aktuell laufenden Programms bereits exekutiert. In Summe wirken die Abschläge übertrieben, zumal die Aktie nach wie vor mit einem KGV von 8 relativ günstig bewertet ist. Das ist einer der niedrigsten Werte in der europäischen Peergroup.
Der Großteil der Analysten bleibt dennoch zuversichtlich gestimmt. Nur zwei der 23 Experten, die Bloomberg anführt, raten nun zum Verkauf. Die Mehrheit von zwölf empfiehlt, an Bord zu bleiben, neun sind bullish. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 33,44 Euro, was jetzt mehr als 27 Prozent Aufwärtspotenzial darstellt. Das höchste Kursziel hat Kian Abouhossein von JPMorgan mit 40,00 Euro ausgegeben.
Unter der 50-Tage-Linie schreitet die Deutsche-Bank-Aktie weiter nach Süden. Damit könnte das Gap bei 27,21/26,15 Euro von Anfang April nach unten geschlossen werden. Das wäre aus charttechnischer Sicht wichtig und könnte eine Gegenbewegung einleiten.
Die Aktie ist keine laufende Empfehlung, die Reaktion auf die Quartalszahlen ist aber unverständlich und zu heftig.
Heute, 10:30