Die Comebacks nach Corona
31.10.2018 Nikolas Kessler

Wirecard wächst rasant, aber...

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Wirecard

Auf Basis vorläufiger Zahlen ist Wirecard im dritten Quartal stärker gewachsen als erwartet. Von den Analysten gab es dafür gestern Lob. Die Anleger reagierten trotzdem zurückhaltend – nach anfänglichen Gewinnen ging die Aktie am Dienstagabend sogar im Minus aus dem Handel.

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Wirecard-Aktie nach vorläufigen Zahlen zum dritten Quartal auf der „Conviction Buy List“ mit einem Kursziel von 250 Euro belassen. Laut Analyst Mohammed Moawalla unterstreiche das beschleunigte organische Wachstum die nachhaltige Geschäftsdynamik des Zahlungsabwicklers.  

Auch Baader-Bank-Analyst Knut Woller sprach von „starken Resultaten“ – sowohl umsatz- als auch ergebnisseitig seien seine und die Konsensschätzungen übertroffen worden. Entsprechend hat er sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 198 Euro bestätigt. Der EBITDA-Ausblick für das Gesamtjahr erscheine ihm nun jedoch konservativ.

Diese Einschätzung teilt Hannes Leitner von der UBS, der die Aktie mit einem fairen Wert von 220 Euro ebenfalls zum Kauf empfiehlt: Nach einem starken Wachstum im dritten Quartal liege im laufenden Schlussquartal eine Erhöhung der Unternehmensziele in der Luft.

Starke Zahlen reichen nicht

Einige Anleger haben offenbar schon bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen am gestrigen Dienstag mit einer erneuten Prognose-Erhöhung gerechnet. So ließe sich jedenfalls erklären, warum die Wirecard-Aktie trotz des starken Umsatz- und Ergebniswachstums im Tagesverlauf ins Minus gerutscht ist.

Was Prognose-Erhöhungen betrifft, pflegt der Zahlungsabwickler inzwischen eine stolze Tradition. Alleine in diesem Jahr wurden die operativen Ziele schon zweimal nach oben angepasst. Seit der letzten Erhöhung peilt Wirecard für 2018 ein EBITDA von 530 bis 560 Millionen Euro an. Dieser Ausblick wurde nach vorläufigen Zahlen bestätigt und zuvor bereits als Zwischenziel der Langfristplanung „Vision 2025“ definiert. Sollte das Management hier tatsächlich noch einmal nachjustieren, könnte dies bei der Vorlage der endgültigen Quartalsbilanz am 14. November verkündet werden.

Aktuell kein Kauf

Die verhaltene Reaktion der Aktie auf die vorläufigen Zahlen bestärkt den AKTIONÄR in der Einschätzung, dass bei Wirecard auf dem aktuellen Niveau bereits viel Gutes eingepreist ist. Mangels kurzfristiger Kurstreiber sollten Anleger weiterhin an der Seitenlinie bleiben.

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