Die Wall Street zeigt am Dienstag zwei Gesichter. Während das Silicon Valley die Rhetorik des Weißen Hauses zunehmend abschüttelt, sorgt ein regulatorischer Paukenschlag im Gesundheitssektor für massive Verkäufe. Der Dow Jones ächzt unter der Last der Krankenversicherer, während die Nasdaq zur Flucht nach vorne ansetzt.
Der Leitindex Dow Jones Industrial notiert vom eine Dreiviertelstunde vor Handelsbeginn 0,5 Prozent tiefer bei 49.149 Punkten. Der Grund ist eine Schockwelle, die durch den Gesundheitssektor rollt. Die US-Regierung unter Donald Trump hat angekündigt, die Zahlungen an private Medicare-Versicherungen im kommenden Jahr faktisch einzufrieren.
Analysten hatten mit einem Anstieg von bis zu sechs Prozent gerechnet. Entsprechend drastisch fällt die Quittung der Anleger aus: Branchenschwergewicht UnitedHealth knickt vorbörslich um 15 Prozent ein. Noch härter trifft es Humana mit einem Minus von fast 17 Prozent, auch CVS Health verliert zweistellig (-10 Prozent). Die Hoffnung, dass Trump den privaten Plänen wohlwollender gegenübersteht als sein Vorgänger, hat sich vorerst als Trugschluss erwiesen.
Völlig unbeeindruckt vom Versicherungs-Drama zeigt sich die Technologiebörse. Der Nasdaq 100 wird 0,6 Prozent im Plus erwartet. Die Anleger ignorieren Trumps jüngste Drohungen bezüglich höherer Zölle auf südkoreanische Importe und konzentrieren sich stattdessen auf die in der Breite positiv verlaufende Berichtssaison.
UPS und GM überzeugen
Während die Versicherer taumeln, stützen solide Unternehmenszahlen das restliche Marktumfeld. Der Logistikriese UPS signalisiert nach einem schwierigen Vorjahr wieder Wachstumslust. Der Ausblick überraschte positiv, die Aktie zieht vorbörslich um fast zwei Prozent an.
Auch in Detroit herrscht vorsichtiger Optimismus. General Motors (GM) will seine Aktionäre nach einem milliardenschweren Quartalsverlust bei Laune halten. Das Mittel der Wahl: Ein massives Aktienrückkaufprogramm. Zusammen mit einer starken Gewinnprognose reicht das, um die Anteilsscheine um 3,7 Prozent nach oben zu hieven.
RTX im Aufwind, Northrop Grumman enttäuscht
Im Verteidigungssektor gehen die Scheren auseinander. RTX (ehemals Raytheon) überzeugt mit einem starken Schlussquartal 2025, getrieben durch die Triebwerkstochter Pratt & Whitney. Konzernchef Chris Calio will Umsatz und Gewinn im laufenden Jahr weiter forcieren – der Markt honoriert dies mit einem Plus von zwei Prozent.
Weniger glanzvoll präsentiert sich Northrop Grumman. Hier zeigt sich das Paradoxon der Branche: Die Auftragsbücher sind zwar prall gefüllt, doch die Umsetzung in bare Münze stockt. Eine enttäuschende Prognose für 2026 drückt die Aktie ins Minus.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 15:30