Werke sollen geschlossen, die Modellpalette deutlich zusammengestrichen werden. Die Zahl der Modelle im Konzern solle schrittweise um bis zu 50 Prozent schrumpfen, die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken, kündigte der Volkswagen-Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg an. War das der große Wurf von Volkswagen?
Der Konzern wolle sich auf die attraktivsten Marktsegmente konzentriert, begründete Europas größter Autobauer den Vorstoß. Damit würden Investitionen und Entwicklungsressourcen auf Produkte und Technologien fokussiert, die den größten Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie den höchsten Wertbeitrag für den Konzern lieferten, hieß es. Die weltweite Produktionskapazität solle von einst 12 auf 9 Millionen Fahrzeuge sinken, bekräftige Konzernchef Oliver Blume.
"Wie zu erwarten wurden keine Beschlüsse beim VW-Aufsichtsrat getroffen, sondern nur allgemeine Ziele – die eigentlich zum großen Teil schon bekannt waren – kommuniziert."
„Dass die Modellvielfalt eingeschränkt wird, ist schon lange bekannt. Dass man auf eine Kapazitätsplanung von 9 Millionen gehen will, ist auch schon länger bekannt. Dass man eine große Modelloffensive macht, dass man eine besondere China Strategie hat – die nach meiner Einschätzung gut und richtig ist - ist ebenfalls seit langem bekannt“, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut
Angaben zu einem möglichen Stellenabbau und Werksschließungen, über die Medien zuvor berichtet hatten, machte der Konzern nicht. Der VW-Aufsichtsrat war am Nachmittag zusammengekommen, um über neue Sparpläne für den Konzern zu beraten. Beschlüsse gab es dazu nicht.
"Nach meiner Einschätzung sind die drängenden Fragen durch den Aufsichtsrat nicht beantwortet worden."
„Wie zu erwarten wurden keine Beschlüsse beim VW-Aufsichtsrat getroffen, sondern nur allgemeine Ziele – die eigentlich zum großen Teil schon bekannt waren – kommuniziert. Kein Wort zu Werken, kein Wort zur Beschäftigung. Bei all den Schlagzeilen zu VW bleiben damit entscheidende Fragen offen. Man könnte auch sagen, die Unsicherheit bleibt – was wenig gut ist für Kunden, Mitarbeiter und Kapitalgeber“, sagt Ferdinand Dudenhöffervom CAR-Institut.
„Um es zusammen zu fassen. Nach meiner Einschätzung sind die drängenden Fragen durch den AR heute nicht beantwortet worden“, sagt Dudenhöffer.
Ähnlich sieht das das Analysehaus Jefferies. Der vom Vorstand dem Aufsichtsrat vorgestellte Restrukturierungsplan habe wenig neue Informationen enthalten, urteilte Philippe Houchois in seiner Einschätzung vom Donnerstag. Es gebe keine Hinweise für Fortschritte für eine Vereinbarung von möglichen Werksschließungen, die auf fünf Jahre angelegte Investitionsplanung oder einen weiteren Abbau von bis zu 100.000 Stellen. Dennoch empfiehlt Houchois die Aktie zum Kauf. Sein Kursziel lautet 120 Euro. Auch das Bankhaus Metzler hat vor kurzem ein Update zur VW-Aktie gegeben. Das Kursziel wurde von 105 Euro auf 130 Euro angehoben.
Das bisherige Geschäftsmodell von VW, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und weltweit zu verkaufen, funktioniert nicht mehr. Der Konzern muss sich neu aufstellen. Ein erster Schritt ist die Fertigung „In China, für China“ zusammen mit Xpeng und Horizon Robotics. Ob die gemeinsam entwickelten Modelle die erhoffte Wende im wichtigsten Automarkt der Welt bringen wird bleibt abzuwarten. VW erwartet 2027 nur noch rund eine Milliarde Euro China-Gewinn – die Hälfte der früheren Prognose und nur noch etwa sieben Prozent des Konzerngewinns. In Europa baut VW ebenfalls um und reduziert die Kapazitäten um bis zu 1,5 Millionen Einheiten. Auch hier werden die Karten neu gemischt: BYD, Xpeng und 2027 auch Xiaomi rollen ihre E-Autos aus. Sicherlich existiert in Europa noch eine höhere Markentreue, jedoch wird Volkswagen auch hier Marktanteile verlieren. Anleger warten ab.
FAQs:
Warum steht die VW-Aktie so stark unter Druck?
Die Gewinnwarnung von BMW hat die deutschen Automobil-Titel belastet. Zudem verliert VW nach wie vor Marktanteile in China.
Wie will VW gegensteuern?
VW wird in Zukunft "In China für China" produzieren. Die E-Autos werden zusammen mit Xpeng aufgebaut.
Wie stellt sich die Situation in Europa dar?
In China hat VW starke Konkurrenz von heimischen Marken wie BYD, Xpeng, Xiaomi und Co bekommen. Diese rollen ihre innovativen E-Autos mittlerweile auch in Europa aus. Zwar gibt es in Europa noch eine starke Markentreue der Käufer, jedoch werden Chinas Autobauer auch in Europa den deutschen Herstellern Marktanteile abnehmen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 14:16
Bei Google bevorzugen