Angesichts der sich zuspitzenden Krise in der deutschen Autoindustrie fordert der Betriebsrat des Autozulieferers Bosch einen runden Tisch von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik. Die Aktien der Automobil-Hersteller können positive Impulse gut gebrauchen. Die Volkswagen-Aktie zum Beispiel notiert aktuell bei 74,94 Euro. Sei Jahresbeginn hat das Papier 30 Prozent an Wert verloren.
"Wir können nicht so weitermachen wie bisher", sagte Frank Sell, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Bosch Mobility, dem "Spiegel". Nötig sei eine Taskforce mit Vertretern der Arbeitgeber aus Automobil- und Zulieferindustrie, der Arbeitnehmer, Gewerkschaft und der Politik, "die erst auseinandergeht, wenn sie Lösungen erarbeitet hat, die die Zukunft der Branche in Deutschland sichern". Hintergrund sind wachsende Konflikte um Arbeitszeit und Sparprogramme in der Branche. Am vergangenen Freitag hatten bundesweit Zehntausende Beschäftigte des Autobauers Mercedes-Benz gegen eine geplante Verschärfung des Sparkurses des Unternehmens protestiert.
Der Protest bei Mercedes-Benz sollte der Auftakt für weitere bundesweite Aktionen sein. So ist unter anderem am 9. Juli in der baden-württembergischen Landeshauptstadt ein Autokorso von Beschäftigten der Autoindustrie geplant. Weitere Beschäftigtenaktionen sollen laut IG Metall beim Volkswagen-Konzern folgen.
Die Reaktion von Frank Sell, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Bosch Mobility, ist verständlich. Die Hiobsbotschaften aus der deutschen Auto-Industrie reißen nicht ab. Zuletzt hat BMW seinen Jahresausblick eingedampft. Als Grund für die Gewinnwarnung nannte das BMW-Management die anhaltende Krise am chinesischen Automarkt.
Analyst Jose Asumendi von JPMorgan sprach von einem "Weckruf für die Autobranche". Es gibt aber auch positive Stimmen: Zu Beginn der neuen Handelswoche zum Beispiel hob Analyst Daniel Schwarz vom Bankhaus Metzler das Kursziel für die Volkswagen-Aktie von 105 auf 130 Euro an.
In China ist VW eine mutige Wette eingegangen. VW hat mit "In China, für China" das alte Prinzip "alles aus Wolfsburg" über den Haufen geworfen. Herzstück ist die neue China Technology Company (VCTC), aus der bereits fünf neue Elektromodelle der Marke VW hervorgegangen sind. Zusammen mit den lokalen Partnern XPeng als EV-Start-Up und den Halbleiter-Spezialisten Horizon Robotics entstand eine komplett neue Elektronik-Architektur, die Digitalisierung und autonomes Fahren ermöglicht - und laut Experten 40 Prozent günstiger ist als die alte MEB-Plattform aus Wolfsburg.
„Die China Strategie könnte passen. Wenn das sich in diesem Jahr stabilisiert, ist VW der Leader unter den Deutschen in China. Das hätte niemand gedacht. Also guter Job von China-Chef Brandstätter und seiner Mannschaft und was Schäfer in Wolfsburg macht sieht auch vernünftig aus“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut gegenüber DER AKTIONÄR.
Chinas Automarkt bleibt schwierig zu kalkulieren. Weitere Rückschläge sind wahrscheinlich. VW erwartet 2027 nur noch rund eine Milliarde Euro China-Gewinn – die Hälfte der früheren Prognose und nur noch etwa sieben Prozent des Konzerngewinns. In Europa baut VW um und reduziert die Kapazitäten um bis zu 1,5 Millionen Einheiten. Nach den starken Verlusten in den letzten Wochen hat die Aktie zumindest wieder etwas Boden gut gemacht. Technisch würde sich ein neues Kaufsignal mit dem Break der 50-Tage-Linie bei 85,40 Euro ergeben.
FAQs:
Warum steht die VW-Aktie so stark unter Druck?
Die Gewinnwarnung von BMW hat die deutschen Automobil-Titel belastet. Zudem verliert VW nach wie vor Marktanteile in China.
Wie will VW gegensteuern?
VW wird in Zukunft "In China für China" produzieren. Die E-Autos werden zusammen mit Xpeng und Momenta aufgebaut.
Wie stellt sich die Situation in Europa dar?
In China bekommt VW Konkurrenz von heimischen Marken wie BYD, Xpeng, Xiaomi und Co. Diese rollen ihre innovativen E-Autos mittlerweile auch in Europa aus. Zwar gibt es in Europa noch eine starke Markentreue der Käufer, jedoch werden Chinas Autobauer auch in Europa den deutschen Herstellern Marktanteile abnehmen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
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