Der Frankfurter Handel beendete eine nervöse Woche mit deutlichen Abschlägen. Der Dax verlor zum Freitagsschluss 1,29 Prozent auf 24.671,22 Punkte. Damit verabschiedete sich der Leitindex nicht nur von seinem Erholungsversuch vom Vortag, sondern unterschritt auch die charttechnisch relevante 21-Tage-Linie. Während für den Monat Juni ein Minus von 1,7 Prozent steht, rettet sich das Börsenbarometer mit einem knappen Plus von 0,7 Prozent in die zweite Jahreshälfte.
Die Schwäche der asiatischen Tech-Werte schwappte direkt nach Deutschland über. Anleger reagierten auf die nachlassende Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz. Marktbeobachter wie Andreas Lipkow von CMC Markets warnen: Die Zweifel wachsen, ob Endkonsumenten die massiven Preiserhöhungen der Tech-Riesen dauerhaft akzeptieren. Wenn Unternehmen wie Apple gestiegene Halbleiterkosten konsequent weitergeben, droht eine Kettenreaktion, die die hoch bewertete Chip-Industrie empfindlich treffen könnte.
Entsprechend korrigierten die Kurse in der deutschen Tech-Branche kräftig. Infineon verlor 4,5 Prozent. Bei Branchenausrüstern wie Aixtron, Suss und PVA Tepla sowie beim Wafer-Spezialisten Siltronic summierten sich die Verluste auf bis zu sechs Prozent. Auch Werte, die zuletzt von KI-Fantasien profitierten, wie Siemens Energy oder Hochtief, gerieten in den Abwärtssog.
Bafin-Prüfung belastet Zalando
Neben dem allgemeinen Markttrend sorgten Einzelmeldungen für Bewegung. Die Aktie von Zalando rutschte um über sechs Prozent ab, nachdem die Finanzaufsicht Bafin eine Prüfung des Konzernabschlusses einleitete. Der Vorwurf: Anhaltspunkte für Verstöße gegen Rechnungslegungsvorschriften. Eine Klarstellung von Zalando, wonach es sich lediglich um formelle Aspekte handele, verhinderte nur kurzzeitig einen tieferen Fall.
Auch der Automobilsektor bleibt ein Sorgenkind. Volkswagen verlor trotz Gerüchten über einen massiven Sparkurs, der den Abbau von 100.000 Stellen und Werksschließungen vorsehen könnte, 3,9 Prozent an Wert. Investoren reagierten damit erneut mit Misstrauen auf die strukturellen Probleme des Konzerns.
Rüstung und Pharma mit Lichtblicken
In einem schwachen Marktumfeld gab es vereinzelte Gewinner. Der Rüstungskonzern Renk konnte nach einem neuen Großauftrag der US-Regierung im Wert von 691 Millionen Dollar ein Plus von 3,2 Prozent verbuchen. Auch Bayer präsentierte sich stabil. Nach dem Erfolg im Glyphosat-Rechtsstreit vor dem Obersten Gericht in den USA halten die Papiere ihr Niveau. Analysten von Goldman Sachs bewerten die Entscheidung als wichtigen Schritt, um die jahrelangen Rechtsrisiken des Konzerns endlich einzuhegen.
Enthält Material von dpa-AFX
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Renk, Volkswagen Vz..
Heute, 18:23