Der Streit zwischen Elon Musk und OpenAI hat die nächste Runde erreicht. Nachdem Musks Raumfahrtkonzern SpaceX den KI-Coding-Anbieter Cursor übernommen hat, will OpenAI die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen beenden. Für Cursor-Nutzer bedeutet das: Der Zugang zu OpenAI-Modellen soll schon im November auslaufen.
- OpenAI will die Belieferung von Cursor mit seinen KI-Modellen zum 12. November 2026 beenden.
- Grund sind laut OpenAI Zweifel, ob SpaceX die Nutzungsbedingungen einhalten wird.
- OpenAI-Modelle machen derzeit rund fünf Prozent des Traffics bei Cursor aus.
Die Nachricht kam bereits am Freitagabend. OpenAI teilte mit, dass Entwickler künftig nicht mehr über Cursor auf die eigenen Modelle zugreifen sollen. Als möglichen Stichtag nennt der KI-Konzern den 12. November 2026. Auch neue Modelle will OpenAI danach nicht mehr für Cursor bereitstellen.
Der Schritt kommt nicht zufällig. Cursor gehört inzwischen zu SpaceX. Der von Elon Musk geführte Raumfahrtkonzern hat die Übernahme des KI-Start-ups am 14. August abgeschlossen. Der Kaufpreis: rund 60 Milliarden Dollar (DER AKTIONÄR berichtete).
Für Cursor ist OpenAI zwar wichtig, aber längst nicht der einzige Modellanbieter. CEO Michael Truell zufolge entfallen etwa fünf Prozent des Nutzer-Traffics auf OpenAI-Modelle. Gleichzeitig versucht das Unternehmen offenbar, die Entscheidung noch abzuwenden.
Misstrauen gegenüber Musk
OpenAI begründet den Schritt deutlich schärfer. Der Konzern erklärte, man könne nicht sicher sein, dass SpaceX die Technologie künftig im Rahmen der geltenden Nutzungsbedingungen einsetzen werde. Dabei verwies OpenAI ausdrücklich auf frühere Vertragsstreitigkeiten mit Unternehmen von Musk.
Damit landet der alte Konflikt zwischen Musk und OpenAI erneut auf der großen Bühne. Musk war 2015 selbst an der Gründung von OpenAI beteiligt. Drei Jahre später verließ er den Verwaltungsrat. Seitdem entwickelte sich das Verhältnis zunehmend zum offenen Machtkampf. 2024 verklagte Musk OpenAI, CEO Sam Altman und Präsident Greg Brockman.
Im Kern geht es um die Entwicklung von OpenAI von einem gemeinnützigen Forschungsprojekt hin zu einem gewinnorientierten Unternehmen. Musk wirft OpenAI vor, seine ursprünglichen Grundsätze aufgegeben zu haben. OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Musk verlor den Prozess zwar Anfang dieses Jahres, kündigte anschließend aber Berufung an.
Musk reagiert gewohnt scharf
Dass der aktuelle Konflikt nicht gerade zur Entspannung beiträgt, zeigt Musks Reaktion auf X. Dort bezeichnete er Altman und Brockman unter anderem als nicht vertrauenswürdig und wiederholte seinen Vorwurf, OpenAI habe eine ursprünglich gemeinnützige Organisation „gestohlen“.
Für Cursor dürfte der Streit dennoch lösbar sein. Das Unternehmen setzt längst auf mehrere KI-Anbieter. Besonders wichtig ist Anthropic mit seinen Claude-Modellen. Ausgerechnet Anthropic reagierte deshalb gelassen auf die Entwicklung. Mitgründer Tom Brown erklärte, Cursor sei seit Sonnet 3.5 ein vertrauensvoller Partner. Man werde die Rechenkapazitäten für Claude in Cursor weiter ausbauen und freue sich auf die Zusammenarbeit unter dem Dach von SpaceX.
KI-Coding wird zum Milliardengeschäft
Der Streit zeigt zugleich, wie umkämpft der Markt für KI-gestützte Programmierwerkzeuge inzwischen ist. Beim sogenannten Vibe Coding übernehmen KI-Modelle immer mehr Aufgaben von Entwicklern. Für die Anbieter der zugrunde liegenden Modelle geht es damit um einen lukrativen Absatzmarkt.
Dass Modellanbieter ihre Zugänge zu KI-Coding-Plattformen kappen, ist zudem kein Novum. Anthropic hatte bereits im vergangenen Jahr den direkten Zugriff des Coding-Anbieters Windsurf auf Claude eingeschränkt.
Für OpenAI und Anthropic steht unterdessen noch mehr auf dem Spiel. OpenAI bereitet sich auf einen möglichen Börsengang vor. Anthropic lotet ebenfalls einen IPO aus und könnte dabei mit einer Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar ins Rennen gehen. Mehr dazu lesen Sie im Aktienreport: Nach SpaceX: Das sind die nächsten Mega-IPOs. Diesen finden Sie hier.
SpaceX kann dem Treiben dagegen gelassen entgegenblicken. Die Aktie, die Teil des AKTIONÄR-Depots ist, bleibt ein Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX.
SpaceX-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
30.08.2026, 19:30
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