Die eine Partei ätzt gegen das Land, das sie gestalten will. Die andere versagt bei seiner Gestaltung, obwohl sie soll. Vergleicht man die enormen Probleme mit aktuellen Meldungen aus der Politik, kann man nur den Kopf schütteln. Ein paar Gedanken.
Der erste Gedanke: „Alle verrückt!“ Das ist weder nett noch sonderlich differenziert. Aber er ging mir in den letzten Tagen etliche Male durch den Kopf. In der Regel dann, wenn mir etwas von der politischen Bühne in den Nachrichten begegnete. Eine kleine Auslese.
Beginnen wir mit der SED-Nachfolgepartei. Für die Jüngeren: Die SED war die Partei, die im Unrechtsstaat DDR Menschen bespitzelte, ihr Leben ruinierte und sie beim Versuch, dieses Land zu verlassen, erschießen ließ. Heute – eine Fusion und ein Rebranding später – genannt: „Die Linke“. Die Sozialisten hatten Parteitag. Irgendjemand hatte offenbar die Idee, gemeinsam am Abend dieses Treffens ein WM-Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft anzusehen. Kam offenbar nicht bei allen gut an. Laut Berichten fiel aus der Linksjugend der Satz „Deutschland verrecke“. Eine Partei, die in Deutschland wählbar sein will, die dieses Land gestalten und für seine Bürger da sein will – die klingt anders. Die ist anders. Natürlich sieht man das selbst nicht so. Man selbst ist der Gute. Der Böse ist der politische Gegner. Im Falle der Linken zuletzt die CDU. Der Kanzlerpartei hat der frisch gewählte Vorsitzende Luigi Pantisano „faschistische Politik“ attestiert. Wer so einen Unsinn verbreitet, der erntet nicht nur zu Recht einen breiten Shitstorm, der entwertet und verharmlost auch in gefährlicher Art und Weise.
Luigi Pantisano schaffte es in die Schlagzeilen mit der wirren Aussage, die CDU betreibe „faschistische Politik“.
Betrachten wir die gescholtene CDU. Da wird es leider auch nicht sehr viel besser. In den Medien kann man lesen: Friedrich Merz braucht Geld. Das ist nichts Neues. Aktuell will er den Berichten zufolge Einsparungen bei Jugendhilfe, Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung und Unterhaltsvorschuss prüfen lassen. Begründung: Kostenexplosion bei den Kommunen. Bald arbeiten wir ja sowieso alle länger … Spaß beiseite: Natürlich muss ein Staat rechnen. Aber wenn in einem reichen Land zuerst bei Kindern, Alleinerziehenden und Behinderten nach Sparpotenzial gesucht wird, ist das ein politischer Offenbarungseid. Ich mag die soziale Marktwirtschaft (anders als die Linken). Und der Bestandteil „sozial“ ist wichtig. Außerdem: Zum Thema Geldverschwendung bei der öffentlichen Hand fallen jedem von uns ganz andere Beispiele (und ganz andere Summen) ein als die alleinerziehende Mutter.
All dieser Wahnsinn geschieht vor dem Hintergrund der aktuellen Situation. Und die ist wirklich beängstigend! Deutschland steht vor politischen und wirtschaftlichen Problemen wie noch nie. Es brennt lichterloh. Zölle, Kriege, Krisen, dramatisch sinkende Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, eine Lawine von Insolvenzen und damit einhergehend vernichtete Arbeitsplätze. Nicht weniger als unsere Zukunft steht auf dem Spiel!
Wir halten fest: Die Linke will die DDR zurück und die CDU täte gut daran, sich sehr genau zu überlegen, mit welchen Genossen sie ernsthaft über Kooperationen nachdenkt. Leider täte sie auch bei sehr vielen anderen Dingen gut daran, genau zu überlegen. Und auch auf diesen Baustellen hat man nicht den Eindruck, dass es funktioniert.
Vielleicht ist ja auch einfach nur Sommerloch. Vielleicht sollte man sich einfach entspannt die WM ansehen. Vielleicht sollte man sich weniger Sorgen machen und morgen ist wie von Zauberhand alles wieder gut. Und vielleicht ist „Alle verrückt!“ nicht die differenzierteste Diagnose. Aber sie drängt sich auf. Am Donnerstag geht es gegen Ecuador.
25.06.2026, 08:29
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