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10.11.2020 Maximilian Völkl

Siltronic-CEO exklusiv: "Unsere Kosten-Performance war ausgezeichnet"

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Siltronic

Die Coronakrise und der starke Euro drücken bei Siltronic auf die Stimmung. Mittelfristig könnten sich die Lage aber durchaus verbessern. CEO Christoph von Plotho stand dem AKTIONÄR im Exklusiv-Interview Rede und Antwort - die neue Impfstoff-Hoffnung sowie der Ausgang der US-Wahl waren da allerdings noch nicht bekannt.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. von Plotho, wie zufrieden sind mit dem dritten Quartal und was waren die operativen Highlights?

Dr. Christoph von Plotho: Ich bin zufrieden. Die verkaufte Waferfläche lag über dem hohen Niveau des Vorquartals. Allerdings machte sich der starke Euro negativ in der Ergebnisentwicklung bemerkbar, so dass der Umsatz dann sieben Prozent unter dem des zweiten Quartals lag.

Unsere Kosten-Performance war ausgezeichnet. Bei fast allen Produktionslinien war die Produktivität auf Rekordniveau.

Dr. Christop von Plotho, CEO Siltronic
Siltronic

Wie wirkt sich die erneute Zuspitzung der Corona-Krise auf ihr Geschäft aus?

Wir profitieren generell von den anhaltenden Investitionen in Digitalisierung. Es ist uns bisher gelungen, in diesen herausfordernden Zeiten ohne Einschränkungen zu produzieren und wir freuen uns, dass wir weltweit nur extrem wenige Covid-19-Fälle unter unseren Mitarbeitern hatten. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist uns ein extrem hohes Anliegen und wir haben umfangreiche Sicherheitskonzepte an allen unseren Standorten weltweit implementiert.

Für das vierte Quartal sind wir heute optimistischer als wir dies noch vor gut drei Monaten waren.

Wie bewerten Sie die derzeitige Auftragslage und wann erwarten Sie hier wieder eine Belebung?

Bei 300 mm-Wafern ist die Auslastung der gesamten Branche sehr gut, bei epitaxierten Wafern, die hauptsächlich im Logikbereich und von Foundries nachgefragt werden, sind wir sogar so gut wie voll ausgelastet.

Für das vierte Quartal sind wir heute optimistischer als wir dies noch vor gut drei Monaten waren. Die Wafer-Nachfrage wird sicher auch durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China beeinflusst. Kunden versuchen mögliche Beeinträchtigungen in der Lieferkette zu minimieren. Die Automobilindustrie zeigt sich zurzeit etwas optimistischer. Kurzfristig werden hier jedoch eher Standardprodukte nachgefragt und nicht so stark die high-end Wafer. Das heißt, der negative Produktmix, den wir bereits im dritten Quartal gesehen haben, wird sich im vierten Quartal noch fortsetzen. Glücklicherweise sind Produktmix-Effekte jedoch eher von kürzerer Dauer und mittelfristig wird sich dieser Effekt wieder umkehren.

Die Entwicklung 2021 wird von diversen externen Faktoren, wie dem Handelskonflikt zwischen den USA und China und dem Verlauf der Corona-Pandemie, beeinflusst werden. Der Rückenwind durch die fortschreitende Digitalisierung wird jedoch anhalten. Allerdings wird das Konsumentenverhalten stark davon abhängen, ob es zur erhofften Wirtschaftserholung kommen wird. Treiber wie 5G, künstliche Intelligenz oder die verstärkte Nachfrage nach Servern werden zur Nachfrage nach Spitzentechnologie beitragen. Auch in der Automobilindustrie ist der strukturelle Treiber intakt – mehr Fahrerassistenzsysteme und natürlich die stärkere Nachfrage nach Hybrid- und Elektrofahrzeugen.

Wie erwarten Sie die Entwicklung der durchschnittlichen Verkaufspreise?

Nachdem die durchschnittlichen Verkaufspreise im Laufe des vergangenen Jahres bis zum hinein in das erste Quartal 2020 in kleinen Schritten gesunken sind, haben sich die Preise seit dem zweiten Quartal 2020 stabil entwickelt und sollten es auch im vierten Quartal bleiben.

Generell wächst mit jeder neuen Smartphone-Generation die Nachfrage nach Speicherfläche.

Kann der neue Mobilfunkstandard 5G zum Treiber für eine erhöhte Speicherchip-Nachfrage werden?

Generell wächst mit jeder neuen Smartphone-Generation die Nachfrage nach Speicherfläche. Wichtig ist, wie die Nachfrage nach hochpreisigen Smartphones, in denen die meiste Waferfläche verbaut ist, vor dem Hintergrund der unsicheren Wirtschaftsentwicklung, ausfallen wird.

Könnten der neue US-Präsident und ein mögliches Ende des Handelskonflikts zwischen den USA und China Siltronic in die Karten spielen?

Siltronic ist ein global ausgerichtetes Unternehmen mit Produktionsstandorten in Deutschland, im amerikanischen Portland und in Singapur. Praktisch alle führenden Halbleiterhersteller gehören zu unseren Kunden. Es wäre wünschenswert, wenn es in diesem Zukunftsmarkt Technologie wieder mehr gemeinsam als gegeneinander geben würde. Vor dem Hintergrund der Bedeutung der Technologiebranche als Treiber notwendiger Entwicklungen in der Medizintechnik, der Digitalisierung, der Energiewende und, bei Mobilitätskonzepten, um nur einige zu nennen, sind gemeinsame Arbeiten in der Wertschöpfungskette erstrebenswert.

Siltronic (WKN: WAF300)

Bei Siltronic gibt es Hoffnung auf Besserung der ungünstigen Rahmenbedingungen. Schwache Tage können deshalb zum Zukauf genutzt werden.

Auszüge des Interviews wurden bereits in der aktuellen Ausgabe 46/20 des AKTIONÄR veröffentlicht, in der es unter anderem um weitere spannende Nebenwerte aus der Chipbranche geht.