24.01.2020 Maximilian Völkl

Siemens: Es kehrt keine Ruhe ein…

-%
Siemens
Trendthema

Seit Wochen beschäftigt der 18 Millionen Euro schwere Auftrag für die Carmichael-Kohlemine von Adani in Australien. Laut Medienberichten hat Konzernchef Joe Kaeser schon vor dem Vertragsabschluss von dem umstrittenen Auftrag gewusst. Mehrere Aktionäre wollen ihm auf der Hauptversammlung auch deshalb die Entlastung verweigern. Die Aktie zeigt sich weiter unbeeindruckt.

Wie das Manager Magazin berichtet war der Adani-Auftrag bereits bei der Vorstandssitzung am 5. Dezember Thema – fünf Tage vor der Unterzeichnung des Vertrags. Da es bereits damals Proteste australischer Klimaschützer gab, habe Vorstandsmitglied Roland Busch den Auftrag präsentiert – ausgerechnet Busch, der Kaesers designierter Nachfolger an der Siemens-Spitze ist. Größere Einwände gegen die Unterzeichnung soll es aber nicht gegeben haben.

Kaeser hatte zuletzt erklärt, nichts von dem Projekt gewusst zu haben. Auch deshalb liegen nun acht Gegenanträge zur Entlastung des CEO auf der Hauptversammlung am 5. Februar vor. Von der einen Seite heißt es, dass betriebswirtschaftliche Belange dem Klimaschutz untergeordnet und das Image von Siemens durch die Beteiligung an der Kohlemine einen irreparablen Schaden bekommen würde.

Von anderer Seite wird aber auch kritisiert, dass Kaeser den Klimaschützern überhaupt so viel Platz einräumt. So wird das Angebot an Klimaaktivistin Luisa Neubauer, in den Siemens-Aufsichtsrat einzuziehen, als falsch gewertet. So würde Siemens seine technologische Führerschaft riskieren.

Siemens (WKN: 723610)

Die Gegenanträge zeigen, dass Siemens es nicht allen Seiten recht machen kann. Der Adani-Auftrag bleibt umstritten. Aus Gründen der Vertragstreue ist aber nachvollziehbar, dass Siemens nun an dem Projekt festhält – auch wenn das Volumen eher unbedeutend ist und der Imageverlust schwerer wiegen könnte. Die Aktie zeigt sich aber ohnehin weiter unbeeindruckt. Es gilt deshalb weiter: Erste Positionen sind möglich, die bei einem Sprung über die 120-Euro-Marke weiter ausgebaut werden können.