Minijobs: Auch viele Schüler und Rentner verdienen sich etwas dazu. Die Regel sind jedoch Arbeitnehmer, die ihr Gehalt aufbessern. Das will die Regierung abschaffen. Meine Gedanken zu schlechten Ideen in wirtschaftlich ohnehin schweren Zeiten.
Volkswagen. Der VW Käfer. Symbol für den Aufbruch einer Nation und Kindheitsfahrzeug einer ganzen Generation. Ein Wirtschaftswunderversprechen. Heute ein Trümmerhaufen. Täglich neue Meldungen in Sachen Restrukturierung, Stellenabbau, Sozialpläne. Mal 50.000 Arbeitsplätze, mal 100.000. An jedem hängen Existenzen, hängen Familien. Die Modellpalette wird geschreddert, die Produktion heruntergefahren. Versagen von Management und Eigentümern, E-Mobilität, Lohnkosten, Rahmenbedingungen – ein tödlicher Mix. VW in der Krise. Schlagzeilen.
Daneben gibt es noch mehr erschreckende Zahlen. Beispielsweise diese hier: 4.996. So viele Unternehmen meldeten im zweiten Quartal Insolvenz an. Insolvenz. Was für ein steriles Wort! Gibt es nicht mehr! Sind pleite. Weg! Knapp 5.000 Unternehmen. Tausende Arbeitsplätze – Familien. Pläne. Kreditraten. Urlaube ... Auf einmal alles infrage gestellt. Die größte Pleitewelle seit 2005. Ein Rückblick: Anno 2005 kämpfte das Land mit Rekordarbeitslosigkeit. Wir waren „Der kranke Mann Europas“. Die Hartz-IV-Reformen wurden gerade umgesetzt. Am Ende des Tages wurde die schlechte Stimmung übermächtig, Gerhard Schröder verlor seinen Job und die 16-jährige Merkel-Ära begann.
Im Jahr 2026 sieht es an der Insolvenzfront genauso düster aus. Doch niemand setzt aktuell irgendwelche mutigen Reformen um. Wackelt die Regierung? Noch nicht so wirklich. Eigentlich alles business as usual. Auch im angeblichen Musterländle Baden-Württemberg, in dem mit „dem Daimler“ und Porsche zwei Autobauer jahrzehntelang für gut bezahlte Facharbeiterjobs und Wohlstand sorgten. Ob der sprichwörtliche Häuslebauer weiterhin voller Begeisterung grün wählt, wenn es in Stuttgart und Zuffenhausen erst einmal in Richtung Detroit geht, darf bezweifelt werden. Und über die Zukunft von Wolfsburg, Zwickau und Co möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren. Wir sprechen von ganzen Landstrichen, in denen von diversen Zulieferern über vielfältige Dienstleister bis hin zu den lokalen Imbissbuden ein Großteil der kompletten Infrastruktur von einem einzigen Unternehmen abhängt. Bei dem derzeit die Gewerkschaft die Mehrheit im Aufsichtsrat hat und ein Großaktionär möglicherweise rettende Maßnahmen verhindert. Untergang mit Ansage!
Und es ist nicht nur VW. Es sind nicht nur die 5.000 Pleiten des letzten Quartals. Es ist der komplette Wirtschaftsstandort. Der ächzt unter Regulierung, Kosten und veralteten Strukturen. Die Situation ist für Unternehmen und Leistende unerträglich. Denn während sich die Regierung schwertut, mutige Strukturreformen anzugehen, ist sie erschreckend kreativ darin, denjenigen, die den Karren ziehen, immer mehr aufzubürden. Wir reden von ganz normalen Menschen. Die haben geheiratet, Kinder bekommen, ein Haus gebaut und wollen einfach nur ihr Leben leben. Kinder gut durch die Schule bringen, Haus abzahlen, ab und zu Urlaub. Diese Menschen halten nicht nur dieses Land am Laufen (und finanzieren es), es sind leider auch diejenigen, die in Berlin keinerlei Lobby haben. Im Gegenteil. Rund sieben Millionen von denen verdienen sich in Minijobs noch etwas dazu. Das will man nicht mehr. Wird das umgesetzt wie geplant, ist das das Ende der Gastronomie (nur eines von vielen Beispielen) und wir erleben den Beginn der totalen Schwarzarbeit. Jürgen Klopp hat sich immer noch nicht gemeldet. Uns gehen die Optionen aus.
16.07.2026, 08:23
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