So investieren Sie wie Peter Lynch
22.12.2020 DER AKTIONÄR

Reinhold Fend im Interview: Wie Optionen zur Option werden

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DAX

Optionen sind nur für Profis – von wegen! Auch Privatanleger können relativ unkompliziert in die "Königsklasse der Termingeschäfte" investieren.

Kennen Sie eigentlich den Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen? Beide Produkte zählen zu den komplexesten Instrumenten am Börsenhimmel. Doch wer sich etwas damit beschäftigt und ein Verständnis dafür aufbaut, hat die Chance, deutliche Gewinne zu erwirtschaften. 

Ein echter Experte auf diesem Gebiet ist Reinhold Fend. Bereits in den 1980er-Jahren kam er auf die Idee, die Gesetze der Physik auf Kursbewegungen an den Kapitalmärkten anzuwenden. DER AKTIONÄR hat den Experten getroffen, um seine beste Strategie beim Handel mit Optionen und Optionsscheinen zu erfahren.

DER AKTIONÄR: Herr Fend, Sie sind ausgewiesener Experte, wenn es um Termingeschäfte wie Optionen und Optionsscheine geht. Was macht diese Instrumente so spannend?

Reinhold Fend: Optionen wie auch Optionsscheine weisen ein nicht lineares Verhalten in Bezug vom Preis dieser Instrumente zur Kursbewegung auf. Gerade wegen dieser Eigenschaft lassen sich Systeme mit einem außergewöhnlichen Chance-­Risiko-Profil kreieren, was bedeutet, dass der maximal auftretende Verlust in der Regel im Vergleich zum möglichen Gewinn eng begrenzt ist. 

Worin liegt denn der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen? 

Grundsätzlich weist ein Optionsschein das gleiche Verhalten auf wie eine Option, wenn der Optionsschein die gleichen Ausstattungsmerkmale wie die Option hat. Eine wichtige Rolle spielen dabei Berechnungsgrößen wie der aktuelle Preis des Basiswertes, der Ausübungspreis (der zuvor festgelegte Preis, zu dem der Basiswert am Ausübungstag gekauft beziehungsweise verkauft werden kann), die Restlaufzeit bis zum Ausübungsdatum, die Volatilität, der kurzfristige Zinssatz am Markt und die erwartete Dividendenzahlung innerhalb der Laufzeit. 

Ein Optionsschein kann im Gegensatz zur Option nicht leerverkauft werden. Daher besitzt ein Optionsschein das gleiche Risikoprofil wie eine gekaufte Long-Put- oder Long-Call-Option. Optionsscheine werden zudem in der Regel von einer Bank herausgegeben, Optionen hingegen werden an einer regulierten Terminbörse gehandelt.

Welche der beiden Instrumente favorisieren Sie persönlich?

Ich bevorzuge klar die Option. Der Hauptgrund ist, dass ein Optionsschein nicht leerverkauft werden kann. Um ein Auszahlungsprofil nach eigenen Vorstellungen kreieren zu können, ist das essenziell wichtig. 

Optionen werden auch die „Königsdisziplin der Termingeschäfte“ genannt. Worin liegt die Komplexität? 

Die Komplexität liegt darin, dass für ein bestimmtes Auszahlungsprofil mehrere Optionen mit verschieden Ausstattungsmerkmalen kombiniert werden müssen. Dazu werden neben entsprechender Erfahrung auch technisch komplexe Hilfsmittel benötigt. Der Entwickler eines Optionssystems muss in der Lage sein, das Verhalten des Gesamtsystems unter veränderten Marktbedingungen über die gesamte Laufzeit zu simulieren, um negative Überraschungen zu vermeiden. Die wichtigsten Einflussfaktoren auf ein Optionssystem sind: Kursbewegung und Volatilitätsänderung zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb der Laufzeit des Systems. Das Thema von komplexen Optionsstrategien habe ich in meinem Buch „Gewinnen mit Optionsstrategien“ detailliert beschrieben. 

Welche Risiken gehen im Handel mit Optionen einher? 

Die Risiken sind von der Art und Weise, wie mit diesen Instrumenten agiert wird, abhängig. Beispielsweise ist ein reiner Leerverkauf von Optionen sehr riskant und wird von mir stets vermieden. Bei einem Leerverkauf von Optionen oder Futures kann sehr schnell eine sogenannte Nachschusspflicht auf den Investor zukommen. Das heißt, der Verlust wird höher als das eingesetzte Kapital. Mit dem Einsatz von Zertifikaten wird diese Situation generell unterbunden.

„Ich bevorzuge klar die Option.“

Reinhold Fend, Geschäftsführer Vandermart-Solutions

Im kommenden Jahr wird es auch einen Börsenbrief von Ihnen geben. Was erwartet die Leser?

Es werden Zertifikate zum Einsatz kommen, die ein von mir entwickeltes Optionssystem nachbilden. Dadurch kann der Leser an einem komplexen Optionssystem teilhaben, ohne dass er sich mit den Details der Umsetzung eines Systems an der Börse herumschlagen muss. Das macht die ganze Angelegenheit für den Investor wesentlich einfacher und überschaubarer. 

In Ihrem Dienst kombinieren Sie selbst verschiedene Optionen und verpacken diese in einem Zertifikat. Wie gehen Sie bei der Auswahl des Basiswertes und der Kombination der Optionen vor? 

Die Auswahl des Basiswertes hängt zum einen vom langfristigen Trend und zum anderen von der fundamentalen Aussicht des Titels ab – also fundamentale Daten plus Charttechnik. Das Optionssystem wird maßgeschneidert auf meine Markterwartung kreiert.  

Wie ist das Chance-Risiko-Verhältnis? 

Auf den einzelnen Trade bezogen, je nach System (Zertifikat) zwischen 1:3 bis 1:8. Angestrebt wird auf Jahressicht eine Rendite von mindestens 30 Prozent, wobei die Systeme auch so ausgelegt werden, dass das Zehnfache möglich wird. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass Sicherheit bei mir einen extrem hohen Stellenwert hat. 

Wie sieht es mit der Laufzeit der Trades aus? 

Die einzelnen Zertifikate werden eine Laufzeit zwischen sechs und neun Monaten haben. Diese etwas längere Laufzeit macht Sinn, um kurzfristigen zwischenzeitlichen Kursschwankungen zu entgehen. Zudem haben die Strategien/Trades entsprechend Zeit, sich zu entwickeln. 

Für welchen Typen von Anleger/in ist die Strategie interessant? 

Dadurch dass die Systeme in Zertifikate gepackt sind, kann auch der Einsteiger damit problemlos klarkommen. Die Anlagestrategie ist eher für den vorsichtigen, aber doch nicht für den vollkommen risikoaversen Investor gedacht. Für den Anlagehorizont sollte der Investor wenigstens fünf Jahre ins Auge fassen.

Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 52/20 + 53/20 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.

von Christine Völkel

Weitere Informationen zum Börsendienst FENDOPTION finden Sie hier.

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