OpenAI verschiebt den Schritt auf das Parkett. Statt eines schnellen Börsengangs plant das Unternehmen hinter ChatGPT eine massive Finanzierungsrunde. Mindestens 30 Milliarden Dollar will der KI-Pionier von Investoren einsammeln. Die angestrebte Bewertung liegt bei rund 1,4 Billionen Dollar – das neue Kapital noch nicht eingerechnet. Damit würde OpenAI nicht nur den Rivalen Anthropic bei der Bewertung im privaten Markt überholen, sondern auch wertvoller als Tesla sein.
Der Schritt markiert eine strategische Pause. OpenAI und Anthropic hatten bereits vertrauliche Unterlagen für ein IPO eingereicht. Doch während Anthropic seinen Börsengang bereits für diesen Herbst anpeilt, nimmt OpenAI-Chef Sam Altman das Tempo heraus. In diesem Jahr werde es kein Debüt an der Wall Street geben.
Der Grund: OpenAI kämpft mit den wachsenden Risiken der Technologie. Zuletzt stoppte der Konzern die Veröffentlichung des neuen Modells GPT-6.1 Astra, weil interne Sicherheitsstandards verfehlt wurden. Auch Vorfälle wie Angriffe auf australische Regierungsseiten erhöhten den Druck. Altman betonte, man müsse sich erst an das neue Leistungsniveau der Modelle anpassen. Diese Weichenstellungen wolle man ohne den Druck der Quartalsberichte einer börsennotierten Gesellschaft treffen.
Umsatz springt um 70 Prozent an
Die neue Runde dient als Brückenfinanzierung. Bereits im März sammelte OpenAI 122 Milliarden Dollar bei einer Gesamtbewertung von 852 Milliarden Dollar ein. Nun treiben vor allem die Geldgeber den nächsten Deal voran. Entsprechend optimistisch stimmen die jüngsten Geschäftszahlen: Die hochgerechnete Umsatzrate („Run Rate“) kletterte über die Marke von 40 Milliarden Dollar. Seit Juli entspricht das einem Zuwachs von 70 Prozent.
Um die Erlöse weiter zu steigern, schärft OpenAI das Produktportfolio. Ein neues Abonnement für 500 Dollar im Monat richtet sich mit höheren Limits und mehr Rechenleistung an professionelle Nutzer. Gleichzeitig drängt das Unternehmen in das Geschäft mit autonomen Systemen: Mit dem neu vorgestellten Assistenten Dots greift OpenAI direkt das Produkt Muse von Meta Platforms an.
Statt sich dem unberechenbaren Takt der Wall Street zu beugen, sichert sich Sam Altman milliardenschwere Unabhängigkeit für die Lösung technischer Sicherheitsfragen. Die angestrebte Bewertung von 1,4 Billionen Dollar belegt jedoch, dass die Erwartungen der Investoren trotz des verschobenen Börsengangs gigantisch bleiben.
Heute, 20:01
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