Rückschlag für Großbritannien: OpenAI hat das ambitionierte Infrastrukturprojekt „Stargate UK“ vorerst auf Eis gelegt. Die Gründe dafür sind wirtschaftlicher Natur: Zu hohe Energiekosten und regulatorische Hürden bremsen den KI-Boom im Vereinigten Königreich aus. Was bedeutet das für Microsoft, Nvidia und Co?
Es sollte das Flaggschiff der britischen KI-Strategie werden. Unter dem Codenamen „Stargate UK“ plante der ChatGPT-Entwickler OpenAI massive Investitionen in die digitale Infrastruktur des Vereinigten Königreichs. Doch wie nun bekannt wurde, hat der KI-Pionier die Pläne vorerst gestoppt. Die „richtigen Bedingungen“ für ein solches Milliarden-Investment seien derzeit schlicht nicht gegeben.
Für die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer ist die Absage eine schallende Ohrfeige. Noch im September wurde das Projekt als Beweis für die Stärke des Standorts gefeiert. Doch OpenAI-Sprecher machten gegenüber der US-Zeitung POLITICO deutlich, wo der Schuh drückt: Die extrem hohen Energiekosten in Großbritannien und eine unsichere Regulierung im Bereich des Urheberrechts machen langfristige Investitionen derzeit unkalkulierbar.
Besonders kritisch wird die Entscheidung der Regierung gesehen, die Pläne für eine liberale Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten für das KI-Training zu kippen. Stattdessen müssen KI-Firmen nun explizit Lizenzen einholen, sofern Rechteinhaber nicht zustimmen. Für Unternehmen wie OpenAI, die auf gigantische Datenmengen angewiesen sind, ist das ein massiver Kostentreiber und ein bürokratisches Hindernis.
8.000 Nvidia-Chips im Stand-by
Eigentlich sah der Plan vor, bereits im ersten Quartal 2026 bis zu 8.000 H100- oder Blackwell-Chips von Nvidia zu leasen. Partner für das Vorhaben ist der Rechenzentrums-Spezialist Nscale. Diese Rechenpower sollte unter anderem im „Cobalt Park“ im Nordosten Englands installiert werden – einer von der Regierung ausgewiesenen „KI-Wachstumszone“.
Doch nicht nur OpenAI tritt auf die Bremse. Auch ein gemeinsames Projekt von Microsoft und Nscale für das größte Rechenzentrum des Landes in Essex wurde bereits von 2026 auf 2027 verschoben. Offiziell heißt es, man wolle auf neuere Chip-Generationen warten, doch auch hier fehlen noch finale Baugenehmigungen.
Energiepreise und Politik bremsen KI-Siegeszug aus
Das Problem ist symptomatisch für viele westliche Industrienationen: Der Hunger der KI nach Strom und Rechenleistung ist grenzenlos, doch die Infrastruktur kommt nicht hinterher. Großbritannien hat mit die höchsten Strompreise weltweit – ein entscheidender Wettbewerbsnachteil gegenüber den USA oder asiatischen Standorten. Wenn die Politik hier nicht gegensteuert, droht Europa den Anschluss im wichtigsten Wachstumsmarkt des Jahrzehnts komplett zu verlieren.
Das Aus für „Stargate UK“ zeigt: Der KI-Boom läuft weiter, aber er wird teurer und selektiver – ein Problem für hochverschuldete Infrastruktur-Player wie Oracle, deren Aktie Anleger weiter meiden sollten. Nvidia hingegen bleibt der große Gewinner: Die Nachfrage nach KI-Chips ist ungebrochen und verlagert sich lediglich geografisch. Egal ob Texas, Norwegen oder Abu Dhabi – ohne Nvidia läuft nichts. Oder zugespitzt: Standorte sind austauschbar, die Chips nicht.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Oracle.
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft, Nvidia.
Nvidia-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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