Am Ölmarkt kommt es am Mittwochnachmittag zu einem kräftigen Rücksetzer. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent fällt zwischenzeitlich um 4,7 Prozent auf unter 95 Dollar. Die US-Sorte WTI fällt sogar um 5,5 Prozent auf unter 89 Dollar. Auslöser sind neue Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung zwischen den USA und Iran. Diese Aktien profitieren jetzt.
Laut einem Reuters-Bericht, der sich auf das iranische Staatsfernsehen beruft, soll Teheran im Rahmen eines möglichen Abkommens zugesagt haben, den Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus innerhalb eines Monats wieder vollständig auf das Vorkriegsniveau zu normalisieren. Demnach soll der Iran den Schiffsverkehr künftig gemeinsam mit Oman koordinieren.
Des Weiteren kursieren Berichte über ein mögliches Memorandum zwischen Washington und Teheran, wonach die USA ihre Streitkräfte aus dem Iran abziehen und die Seeblockade aufheben könnten. Anleger spielen das Entspannungsszenario. Die Futures auf die US-Leitindizes bauen dementsprechend ihre Gewinne weiter aus.
Von den fallenden Ölpreisen profitieren heute vor allem Airlines und Kreuzfahrt-Unternehmen. Treibstoff gehört zu den größten Kostenblöcken der Branche. AKTIONÄR-Tipp Carnival gewinnt im frühen Handel über fünf Prozent, Norwegian Cruise Line sogar fast sieben Prozent. Bei den US-Fluggesellschaften haben United Airlines und Delta Air Lines mit bis zu sechs Prozent Kursgewinn die Nase vorne.
Belastet werden dagegen klassische Ölwerte wie Exxon, Chevron oder Occidental Petroleum sowie Chemie- und Düngemittelkonzerne, weil mit einer möglichen Entspannung im Iran-Konflikt die Sorge vor knappen Energie- und Rohstofflieferungen sinkt.
Branchenvertreter zweifeln jedoch daran, dass sich die Öllieferungen rasch wieder normalisieren lassen. Selbst bei einem sofortigen Ende des Konflikts werde es mindestens vier Monate dauern, bis die Öltransporte wieder 80 Prozent des normalen Niveaus erreichen, sagte Sultan Ahmed Al Jaber, Chef der Abu Dhabi National Oil Company, bereits vergangene Woche. Eine vollständige Normalisierung erwartet er erst im ersten oder zweiten Quartal 2027.
Mit der Aussicht auf eine diplomatische Entspannung rauscht der Ölpreis heute nach unten. Das reduziert das Risiko für einen neuen Inflationsschub und dürfte den US-Börsen zum Handelsstart um 15:30 Uhr kräftig Rückenwind verleihen. Doch wie immer in diesem Konflikt gilt: Die Lage kann sich rasch wieder ändern, solange eine umfassende Einigung zwischen dem Iran und den USA nicht offiziell bestätigt ist. DER AKTIONÄR hält Sie den ganzen Tag über alle wichtigen Entwicklungen auf dem Laufenden.
Heute, 15:11