Der Ölmarkt kommt deutlich unter Druck. Am Mittwoch fiel der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um rund vier Prozent auf ein Tagestief von 69,63 Dollar. Damit notiert der Kontrakt erstmals seit dem 2. März wieder unter der psychologisch wichtigen Marke von 70 Dollar. Auch die Nordseesorte Brent verlor 4,2 Prozent auf 73,83 Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Ende Februar.
Der Grund für den Preisrutsch: Die Befürchtungen vor einer massiven Unterbrechung der globalen Ölversorgung nehmen ab. Die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) gab bekannt, dass Sicherheitsgarantien für die Passage durch die Straße von Hormus vorliegen. Mehr als 11.000 Seeleute, die bisher im Persischen Golf festsaßen, erhalten nun grünes Licht für die Ausfahrt.
Aditi Rasquinha, Chefin von DHL Global Forwarding Greater China, wertet die Nachrichten als Signal für eine Normalisierung. Zwar bleibe der Druck auf die Lieferketten aufgrund verlängerter Transitzeiten zunächst bestehen, doch die Öffnung der Engstelle dürfte die angespannte Lage sukzessive lockern.
Politik erhöht den Druck auf Mineralölkonzerne
Während die Rohölpreise purzeln, wächst der politische Unmut über die Entwicklung an den Tankstellen. US-Präsident Donald Trump kritisierte die großen Ölkonzerne scharf. Auf seiner Plattform Truth Social warf er den Unternehmen vor, die Preise für Benzin nicht im gleichen Maße wie die Rohölkosten zu senken. Die Rohstoffpreise würden „wie ein Stein fallen“, während die Verbraucher an der Zapfsäule regelrecht „ausgenommen“ würden. Trump kündigte an, das Justizministerium (DOJ) einzuschalten, um den Vorwurf der Preiswucherei zu prüfen.
Experten reagieren auf diese Drohung mit Skepsis. Karen Young, Expertin am Columbia University Center on Global Energy Policy, bezeichnete Trumps Äußerungen als „politisches Theater“. Der Mechanismus an der Zapfsäule sei komplexer als vom Präsidenten dargestellt. Preisänderungen seien an lokale Steuern gekoppelt und unterlägen zeitlichen Verzögerungen. „Es dauert in der Regel einige Wochen, bis sich sinkende Rohölpreise über die Raffinerien bis hin zum Endverbraucher durchsetzen“, so Young.
Die Erleichterung über den sicheren Schiffsverkehr im Persischen Golf drückt die Risikoprämien auf den Ölpreis spürbar. Doch auch wenn Präsident Trump mit kartellrechtlichen Untersuchungen droht: Der Markt folgt bei den Spritpreisen eigenen Logiken. Die träge Wertschöpfungskette zwischen Rohölmarkt und Zapfsäule wird durch politischen Druck kaum schneller reagieren – für Anleger bleibt die Normalisierung der Handelsrouten der weitaus wichtigere Preistreiber.
24.06.2026, 20:06