SK Hynix hat am Donnerstagmorgen seine Zahlen zum ersten Quartal vorgelegt. Zum Jahresauftakt blieb der Umsatz zwar leicht hinter den Erwartungen zurück, der Gewinn stieg jedoch in einem unerwarteten Ausmaß. Die Botschaft hinter dem Zahlenwerk ist klar: Der KI-Boom geht weiter und wer die Chips fertigt, verdient weiter prächtig.
Die Zahlen sind beeindruckend: Der operative Gewinn kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um das Fünffache auf 37,61 Billionen Won (rund 25,4 Milliarden Euro). Fast noch spektakulärer ist die operative Marge, die ein Rekordhoch von unglaublichen 72 Prozent erreichte. Zur Einordnung: Im traditionell eher schwachen ersten Quartal ist eine solche Profitabilität in der zyklischen Halbleiterbranche eine Sensation.
Zwar verfehlte der Umsatz mit 52,6 Billionen Won knapp die Analystenschätzungen von 53,6 Billionen Won, doch das tat der Stimmung kaum Abbruch. Der Umsatz hat sich gegenüber dem Vorjahr fast verdreifacht und knackte erstmals die historische Marke von 50 Billionen Won.
HBM: Der heilige Chip-Gral
Der Wachstumstreiber Nummer eins bleibt High-Bandwidth Memory (HBM). Diese spezialisierten Hochgeschwindigkeitsspeicher sind das Herzstück von KI-Rechenzentren und werden massenhaft in den Beschleuniger-Systemen von Branchenprimus Nvidia verbaut. SK Hynix hält hier laut Marktforschern von Counterpoint Research einen Marktanteil von satten 57 Prozent und verweist die Konkurrenten Samsung und Micron weiterhin in die Schranken.
Zwar bläst Samsung zur Attacke und hat bereits erste Proben von HBM4 verschickt, doch SK Hynix ruht sich nicht aus. Das Unternehmen kündigte an, bereits in der zweiten Jahreshälfte Muster des noch fortschrittlicheren HBM4E (siebte Generation) zu liefern, die Massenproduktion ist für 2027 geplant. Diese Chips sind essenziell für Nvidias kommende „Vera Rubin“-Architektur.
Chip-Mangel bis 2030?
Hellhörig dürften Anleger bei den Aussagen zur langfristigen Marktwicklung geworden sein. SK-Group-Chef Chey Tae-won warnte, dass die Knappheit bei Wafern aufgrund der massiven Nachfrage bis 2030 anhalten könnte. Der Ausbau der Kapazitäten hinkt hinterher – ein Defizit von über 20 Prozent steht im Raum.
Für SK Hynix bedeutet das: Preissetzungsmacht pur. „Kunden priorisieren derzeit die Beschaffung vor dem Preis“, hieß es aus der Management-Etage. Um die Nachfrage zu bedienen, pumpt der Konzern massiv Geld in den Ausbau und investiert rund 19 Billionen Won in ein neues Werk in Südkorea.
Trotz der extrem starken Umsatz- und Gewinnentwicklung geht es für die Aktie am Morgen nach anfänglichen Gewinnen leicht abwärts. Dies liegt jedoch in erster Linie an Gewinnmitnahmen. In den vergangenen vier Wochen hatte das Papier zuvor um rund 30 Prozent zugelegt. Die guten Zahlen dürften die ausgelassene Stimmung im Halbleitersektor weiter hochhalten. Welche Chip-Aktien jetzt brandheiß sind, erfahren Sie in der neuen Ausgabe. Diese finden Sie hier.
Heute, 07:13