22.01.2015 Maximilian Steppan

Nachgefragt: Was passiert, wenn die EZB Staatsanleihen kauft? (Teil 6)

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DAX
Trendthema

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird mit hoher Wahrscheinlichkeit am morgigen Donnerstag ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen beschließen. Im Vorfeld wird das Thema auf allen Ebenen intensiv diskutiert. Kommt es zur Ankündigung eines "Quantitative Easing"-Programms und welche Folgen hätte es für DAX, Euro und Co?


DER AKTIONÄR fragte bei Rainer Sartoris, Volkswirt der HSBC, nach.

Herr Sartoris, was erwarten Sie denn von den Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi heute Nachmittag?
Alles andere als der Start des Staatsanleihenkaufpogrammes würde überraschen. Wir haben ein Umfeld, in dem die EZB unter großem Druck steht. Vor allem mit Blick auf die letzten konjunkturellen Entwicklungen: Die Inflation ist im Dezember in den negativen Bereich gerutscht. Die langfristigen Inflationserwartungen befinden sich im freien Fall. Damit die EZB auf ihre Zielinflationsrate von zwei Prozent kommt, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Es wird sehr interessant, wie das Kaufprogramm im Detail aussehen wird. Wann wird es gestartet und wie umfangreich wird es sein? Kauft die EZB nur Bundesanleihen oder französische Staatsanleihen? In unseren Augen sehen wir das zweite Szenario als wahrscheinlicher an. Die EZB wird einen Korb entsprechend der Eigenkapitalanlage der entsprechenden Euro-Länder kaufen. Und die Frage wie hoch das Kaufprogramm ist, bleibt offen.


Der DAX spiegelt diese Erwartungshaltung wider: Ein Rekordhoch jagt das nächste – sind sich die Anleger zu sicher, dass die ultralockere Geldpolitik fortgesetzt wird?
Es sieht so aus als wäre die Erwartungshaltung sehr hoch. Nicht nur, wenn wir uns den Aktienmarkt ansehen, sondern auch die Rentenmärkte. Speziell dort fallen die Renditen von einem Tief zum Nächsten und der Euro ist auch sehr stark. Hier ist ein umfangreiches Programm der EZB bereits eingepreist. Mittlerweile sind die Erwartungen so hoch, dass es schwer fallen dürfte sie überhaupt noch zu übertreffen. In meinen Augen besteht hier eher Überraschungspotential auf der Negativseite.