28.04.2020 Martin Mrowka

MTU an der DAX-Spitze: Gibt es bald eine Überraschung?

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MTU Aero Engines

Die existenzbedrohende Lage vieler Fluggesellschaften in der Corona-Krise bedroht auch das Geschäft des deutschen Triebwerkbauers MTU. Am kommenden Donnerstag legt der DAX-Konzern seine Zahlen für das erste Quartal vor. Im Vorfeld befragte Analysten sind verhalten optimistisch. Am Dienstag setzt sich MTU sogar an die DAX-Spitze.

Die Folgen der Corona-Pandemie haben den Betrieb von Fluggesellschaften in aller Welt größtenteils lahmgelegt. Weil viele Airlines ums Überleben ringen, müssen Flugzeughersteller wie Airbus und Boeing und damit auch große Triebwerksbauer wie General Electric, Pratt & Whitney, Rolls-Royce und MTU um ihre Aufträge fürchten. Derzeit kann kaum eine Fluggesellschaft neue Jets gebrauchen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet, dass die Airline-Branche erst im Jahr 2023 wieder das Niveau aus der Zeit vor der Krise erreicht. Allein die Flotte des Lufthansa-Konzerns dürfte deshalb auf absehbare Zeit um etwa 100 Maschinen schrumpfen. Der Flugzeugbauer Airbus fährt seine Produktion von Passagierjets angesichts des zumindest vorläufig geringeren Bedarfs bereits um ein Drittel zurück. Ob das ausreicht, ist offen.

Flugzeug-Nachfrage sinkt kräftig

MTU ist bei dem bisher stark gefragten Getriebefan-Antrieb für die Airbus-Mittelstreckenjets der Modellfamilien A220 und A320neo dick im Geschäft, außerdem beim Boeing-Langstreckenjet 787 "Dreamliner" und bei der modernisierten Boeing 777X, die in diesem Jahr ihren Jungfernflug hatte. Insidern zufolge wird Boeing die Produktion des "Dreamliners" jedoch wegen der Krise um die Hälfte zurückfahren (DER AKTIONÄR berichtete). Dies werde Boeing bei der Vorlage der Quartalszahlen am morgigen Mittwoch bekanntgeben - einen Tag vor der Quartalsbilanz von MTU.

MTU musste seine Produktion wegen der Pandemie bereits für drei Wochen unterbrechen. Hinzu kommt ein Geschäftsrückgang bei der Wartung von Triebwerken. Fluggesellschaften fahren wegen ihrer Finanznot weniger dringende Ausgaben zurück.

MTU an der DAX-Spitze

Die MTU-Aktie hatte in den vergangenen Jahren einen ziemlich guten Lauf - der im Herbst 2019 mit dem Aufstieg in den Deutschen Aktienindex DAX gekrönt wurde. Auch wenn ein Großteil der Analysten den Kurs für zu hoch hielt, stieg er weiter bis auf den Rekordwert von 289,30 Euro im Januar.

Die Corona-Krise versetzte die Aktie dann jedoch in den freien Fall. Binnen weniger Wochen, in denen die Passagierzahlen der Airlines weltweit nach unten rauschten, sackte der MTU-Kurs bis Mitte März auf 97,76 Euro nach unten. Am Dienstag stieg das Papier um rund acht Prozent auf knapp 120 Euro und war damit Tagessieger im DAX.

MTU Aero Engines (WKN: A0D9PT)

Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie damit aber immer noch gut die Hälfte verloren. Seit dem Hoch im Januar beträgt der Kursverlust rund 60 Prozent.

Mit den Quartalszahlen am Donnerstag könnte es eine positive Überraschung geben. Die MTU-Spitze hat ihre Gewinnprognose für 2020 wegen der Corona-Krise bereits Ende März kassiert. Auch die ursprünglich avisierte Dividenden-Anhebung nach dem Rekordjahr 2019 ist vom Tisch. Stattdessen will MTU die Dividende jetzt streichen. Die Produktion wird im Werk bei München nach einer Unterbrechung wieder hochgefahren. Auch das Wartungsgeschäft in Hannover und Ludwigsfelde läuft wieder an.

Branchenexperten erwarten für das erste Quartal vergleichsweise geringe Auswirkungen der Krise auf das Geschäft von MTU. Im Schnitt gehen die Analysten von einem Umsatz in Höhe von 1,24 Milliarden Euro aus, rund 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) dürfte um sechs Prozent auf 176 Millionen Euro gesunken sein. Beim bereinigten Überschuss erwarten sie einen Rückgang um 15 Prozent auf 114 Millionen Euro.

Heftiger dürften die Einbrüche im Rest des Jahres und darüber hinaus werden. So rechnen die Analysten für 2020 im Schnitt mit einem Umsatzrückgang um 19 Prozent auf 3,75 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr dürften die Erlöse zwar auf vier Milliarden und im Jahr 2022 auf knapp 4,5 Milliarden Euro steigen - aber auch damit noch hinter dem Niveau von 2019 zurückbleiben.

Ähnliches gilt für die Gewinnentwicklung. Für 2020 erwarten die Analysten im Schnitt ein bereinigtes operatives Ergebnis von 484 Millionen Euro. Im nächsten Jahr dürfte das bereinigte Ebit auf 596 Millionen und dann auf 721 Millionen Euro zulegen. Immerhin droht dem Unternehmen nach Einschätzung der Analysten trotz der Krise kein Verlustjahr. Allerdings bleibt die Unsicherheit über die künftige Entwicklung groß. (Mit Material von dpa-AFX)

Weil Fluggesellschaften angesichts des Ausmaßes der Branchen-Krise nicht nur ihre Bestellungen für neue Flugzeuge (und Triebwerke), sondern auch für die Wartung und Ausbesserung von Maschinen deutlich zurückfahren, leidet derzeit das Geschäft von MTU. Dennoch dürfte das Gröbste bereits in den gefallenen Kursen eingepreist sein. Vor diesem Hintergrund könnte die MTU-Aktie tatsächlich ihren Boden gefunden haben. Ein Engagement sollten jedoch nur mutige Investoren wagen.