16.04.2019 Marion Schlegel

Merck KGaA mit Übernahme: Warum die Aktie fällt

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Der Darmstädter Merck-Konzern hat sich im milliardenschweren Bieterrennen um den US-Halbleiterzulieferer Versum durchgesetzt. Das Management der beiden Unternehmen habe sich auf die Übernahme für 53 Dollar je Versum-Aktie geeinigt und einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, teilte Merck am Freitag mit. Damit stach der DAX-Konzern mit seiner jüngst aufgestockten Offerte den US-Spezialchemiekonzerns Entegris aus, der ursprünglich den Hersteller von Spezialgasen und -chemikalien kaufen wollte.

Mit dem Vertrag wird Versum mit 6,5 Milliarden Dollar inklusive Schulden oder umgerechnet fast 5,8 Milliarden Euro bewertet. Die Darmstädter wollen mit der Übernahme ihr Spezialchemiegeschäft stärken, das bei Flüssigkristallen etwa für Smartphone-Displays unter asiatischer Konkurrenz leidet. Dass dort die einst unangefochtene Stellung von Merck bröckelt, gilt als größte Baustelle im Konzern.

Das kombinierte Geschäft von Merck und Versum schaffe einen führenden Anbieter von Elektronikmaterialien für die Halbleiter- und Displayindustrie, erklärte Merck. Das Unternehmen sei damit optimal positioniert, "um von den langfristigen Wachstumstrends" in der Branche zu profitieren, sagte Vorstandschef Stefan Oschmann.

Der Deal soll laut der Angaben in der zweiten Jahreshälfte in trockenen Tüchern sein. Die Versum-Aktionäre müssen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 26. April dem Deal formal noch absegnen. Zudem bedarf die Übernahme der Zustimmung der Kartellbehörden. Merck-Aktien gaben am Freitag um 2,4 Prozent nach, da Anleger nach dem jüngsten Anstieg Gewinne mitnahmen.

Zudem zeigen sich die deutschen Anleger nach dem verkorksten Bayer-Monsanto-Deal skeptisch, was Übernahmen angeht. Zumal der Übernahmepreis nun auch nicht gerade ein Schnäppchen ist. Zunächst hatte Merck ein Angebot von 48 Dollar je Aktie abgegeben.

Moody's Investors Service sieht die Bonität der deutschen Merck aber auch nach dem Kauf von Versum Materials nicht gefährdet. Die Ratingagentur bestätigte die Einstufung von Baa1, und der Ausblick sei stabil. Die Verschuldungsparameter würden sich nach dem Zukauf für 5,8 Milliarden Euro zwar verschlechtern, lägen aber noch im Rahmen der Baa1-Bewertung.

DER AKTIONÄR empfiehlt, bestehende Positionen mit einem Stopp bei 83 Euro nach unten abzusichern.

(Mit Material von dpa-AFX)