Während die Börse vor allem auf Nvidia blickt, entsteht bei Amazon, Alphabet und Microsoft ein zweiter KI-Hebel: Beteiligungen an privaten KI-Unternehmen wie Anthropic, OpenAI und SpaceX liefern enorme Buchgewinne. Für Anleger ist das spannend – aber auch erklärungsbedürftig.
- Amazon und Alphabet profitierten zuletzt massiv von Neubewertungen privater KI-Beteiligungen.
- Microsoft zeigte, dass solche Effekte auch in die andere Richtung wirken können.
- Entscheidend bleibt die Trennung zwischen operativem Wachstum und nicht zahlungswirksamen Buchgewinnen.
Diese Entwicklung verändert den Blick auf Big Tech. Die großen Plattformkonzerne verdienen nicht nur mit Cloud, Werbung, Software oder E-Commerce. Sie sichern sich auch Anteile an den wichtigsten KI-Start-ups der Welt – und profitieren damit zusätzlich vom Bewertungsboom im privaten Markt.
Amazon: Der Anthropic-Effekt
Amazon meldete im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 62,6 Milliarden Dollar. Darin enthalten war ein nicht operativer Vorsteuergewinn von 53,4 Milliarden Dollar, primär aus der Beteiligung an Anthropic. Damit stammte ein großer Teil des Quartalsgewinns nicht aus AWS, Handel oder Werbung, sondern aus einer bilanziellen Neubewertung.
Strategisch bleibt der Effekt trotzdem wichtig. Anthropic ist eng an AWS gebunden und stärkt Amazons Position im KI-Infrastrukturmarkt. Für die Bewertung der Aktie sollten Anleger aber weiter auf AWS-Wachstum, operatives Ergebnis und freien Cashflow achten.
Alphabet: KI-Beteiligungen verzerren den Gewinn
Auch Alphabet profitierte stark von privaten Beteiligungen. Berichte verweisen auf rund 99 Milliarden Dollar an realisierten und unrealiserten Gewinnen aus dem Investmentportfolio, darunter voraussichtlich Anthropic, SpaceX und weitere Beteiligungen. Nach Steuern entsprach das einem Zusatzgewinn von rund 77 Milliarden Dollar.
Das zeigt die enorme strategische Kraft der Google-Mutter. Alphabet verdient nicht nur mit Search, YouTube und Cloud, sondern hält auch Beteiligungen an zentralen KI- und Infrastrukturunternehmen. Trotzdem gilt auch hier: Die operative Stärke muss weiter aus dem Kerngeschäft kommen.
Microsoft: Buchgewinne sind keine Einbahnstraße
Microsoft zeigt die Kehrseite dieser Entwicklung. Im vierten Geschäftsquartal 2026 verbuchte der Konzern einen Gewinn von 3,2 Milliarden Dollar aus seiner Anthropic-Beteiligung. Gleichzeitig wurde die OpenAI-Position um rund 600 Millionen Dollar abgewertet.
Das ist der entscheidende Punkt: Private KI-Beteiligungen können die Gewinn- und Verlustrechnung stark verbessern, aber auch belasten. Für Microsoft bleiben deshalb Azure-Wachstum, Copilot-Monetarisierung und wiederkehrende Software-Umsätze die wichtigeren Kennzahlen.
Der wichtigste Unterschied
Die neuen KI-Beteiligungen sind ein strategischer Vorteil, aber kein Ersatz für operative Exzellenz. Buchgewinne erhöhen den ausgewiesenen Gewinn, schaffen aber nicht automatisch freien Cashflow.
Deshalb sollten Anleger künftig drei Ebenen trennen:
• das organische Wachstum im Kerngeschäft,
• die Investitionen in Rechenzentren und KI-Infrastruktur,
• die nicht zahlungswirksamen Gewinne aus privaten Beteiligungen.
Erst im Zusammenspiel ergibt sich ein sauberes Bild. Amazon, Alphabet und Microsoft bleiben stark, weil sie operative Plattformmacht mit strategischen KI-Beteiligungen verbinden.
Big Tech profitiert doppelt vom KI-Boom
Wie Hoch der Hebel der Beteiligungen bei Nvidia sein wird, zeigt sich heute Abend nach US-Börsenschluss. Amazon, Alphabet und Microsoft haben es bereits vorgemacht. Sie sind nicht nur Käufer von KI-Infrastruktur. Sie sind auch Investoren in die wichtigsten KI-Unternehmen der nächsten Generation. Genau darin liegt der geheime Milliarden-Hebel hinter der aktuellen Big-Tech-Rallye.
Für den Börsenbrief Megatrend Folger bleiben diese Plattformwerte zentrale Gewinner der KI-Transformation. Entscheidend ist aber, die Qualität der Gewinne richtig einzuordnen: Operative Stärke bleibt der Kern, Buchgewinne sind der zusätzliche Hebel. Mit welchen Optionsscheinen man diese Trends optimal nutzen kann, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe des Megatrend Folger.
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Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft, Nvidia.
Amazon-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Amazon, Alphabet.
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