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18.03.2020 Thorsten Küfner

Lufthansa vor den Zahlen: Es geht um die Existenz!

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Deutsche Lufthansa
Trendthema

Nach einem schwierigen Jahr mit Preisschlacht und Gewinnwarnung droht es für Lufthansa 2020 noch viel schlimmer zu kommen. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bringt den Flugverkehr größtenteils zum Erliegen. Wie andere Fluggesellschaften hat Lufthansa das Flugangebot auf ein Minimum zusammengestrichen. 

Waren erst vor allem die Flüge nach China passé, fällt jetzt auch der Großteil der Verbindungen in die USA sowie innerhalb Europas weg. Vorerst finde nur noch etwa jeder zehnte Fernflug und nur noch etwa jeder fünfte Mittelstreckenflug statt, teilte Lufthansa am Montag mit. Die Konzerntöchter Brussels und Austrian Airlines stellen den Betrieb vorerst komplett ein. Konkurrenten wie die British-Airways-Mutter IAG kündigten Flugstreichungen in ähnlicher Dimension sogar schon für April und Mai an. Ryanair streicht ab 24. März nun sogar alle oder fast alle Flüge.

Rückholaktion läuft

Am Dienstagabend beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zudem ein weitgehendes Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger - für 30 Tage und ab sofort. Lufthansa, der Ferienflieger Condor und die Tui-Tochter Tuifly sollen nun in einer koordinierten Aktion mit der Bundesregierung zehntausende Deutsche aus dem Ausland zurückholen.

Frachtsparte soll kurzfristig erweitert werden

Unterdessen arbeitet Lufthansa daran, die Frachtflüge auszubauen, um die Versorgung Deutschlands zu sichern. Dazu will Vorstandschef Carsten Spohr möglicherweise auch große Passagierjets vom Typ Boeing 747-8 einsetzen. Grundsätzlich sei mit einem steigenden Transport-Bedarf zu rechnen, um die Produktionsketten aufrechtzuerhalten, sagte ein Konzernsprecher. Auch Verbrauchsgüter für die Bevölkerung könnten per Flugzeug transportiert werden.

Dividende gestrichen!

Unterdessen versucht der Vorstand, das Geld zusammenzuhalten, damit das Unternehmen die Krise übersteht. So sollen die Aktionäre auf die Dividende für 2019 verzichten. Das Unternehmen hat sich auch neue Kredite in Höhe von 600 Millionen Euro gesichert. Damit verfüge der Konzern über flüssige Mittel von rund 4,3 Milliarden Euro, hieß es. Hinzu kämen ungenutzte Kreditlinien von rund 800 Millionen Euro.

Staatshilfen möglich?

Für den schlimmsten Fall lotet Lufthansa sogar Staatshilfe aus. Der Vorstand habe sich angesichts "dieser bisher unbekannten Herausforderung daher entschieden, mit den Regierungen unserer Heimat-Länder nicht nur wie bisher über den Abbau von Belastungen zu sprechen, sondern auch über aktive Unterstützungen, sobald diese notwendig werden", sagte Spohr.

Von einer Staatsbeteiligung will man in Lufthansa-Kreisen angesichts der hohen Liquiditätsreserven nichts wissen. Dass mögliche Hilfen unterhalb einer Beteiligung über die Frankfurter Staatsbank KfW organisiert werden könnten, blieb aber zumindest unwidersprochen.

Unterdessen kürzt der Konzern seine laufenden Ausgaben und versucht Investitionen zu verschieben. Für einen Teil der Belegschaft soll Kurzarbeit beantragt werden. Spohr rief die Mitarbeiter zu Solidarität und Verzicht auf, "um die Zukunft der Lufthansa-Gruppe zu sichern". Ziel sei, möglichst alle Beschäftigten an Bord zu halten.

Schon 2019 brach das Ergebnis des DAX-Konzerns nach vorläufigen Zahlen um fast 29 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro ein. Damit erreichte Lufthansa gerade noch die eigene Prognose, die im vergangenen Juni auf 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro gekappt worden war.

Das erwartet der CEO

Vorstandschef Spohr zeigte sich vergangenen Freitag sicher, dass Lufthansa die schwierige Situation finanziell "auf jeden Fall länger" durchstehen könnte als andere Airlines. Eine Prognose für 2020 traute er sich angesichts der sich täglich verschärfenden Lage aber nicht zu. Allerdings rechnet das Management damit, dass das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) des Konzerns im laufenden Jahr "deutlich" sinken wird.

Deutsche Lufthansa (WKN: 823212)

Die Bewertung der Lufthansa-Aktie ist mittlerweile fast schon aberwitzig günstig. Doch aktuell herrscht an den Märkten die blanke Panik, weshalb Anleger vorerst noch nicht ins fallende Messer greifen sollten. Angesichts der derzeitigen Marktverwerfungen bietet sich nach wie vor eher die Seitenlinie und das Warten auf eine Bodenbildung an.

(Mit Material von dpa-AFX) Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß §34b WpHG: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Lufthansa.