Es ist eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte: Der US-Bezahldienstleister Block baut mehr als 4.000 Stellen ab – nahezu die Hälfte der Belegschaft ist davon betroffen. Grund für den Kahlschlag sind nicht etwa finanzielle Nöte des Konzerns, sondern die massiven Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz.
Konzernchef Jack Dorsey verkündete den Stellenabbau zunächst in einem persönlichen Beitrag auf X, bevor er sich in einem offiziellen Aktionärsbrief äußerte. Seine Botschaft war unmissverständlich: Nicht wirtschaftliche Not habe Block zu diesem Schritt gezwungen, sondern die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz. „KI-Tools haben verändert, was es bedeutet, ein Unternehmen aufzubauen und zu führen“, schrieb Dorsey. Intern beobachte man bereits, dass deutlich kleinere Teams mithilfe der eigenen KI-Werkzeuge mehr leisteten – und das in besserer Qualität.
we're making @blocks smaller today. here's my note to the company.
— jack (@jack) February 26, 2026
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today we're making one of the hardest decisions in the history of our company: we're reducing our organization by nearly half, from over 10,000 people to just under 6,000. that means over 4,000 of you are…
Dorsey stellte sich dabei bewusst gegen ein schrittweises Vorgehen. Er habe zwischen einem graduellen Abbau über Monate oder Jahre und einem klaren Schnitt jetzt gewählt – und sich für Letzteres entschieden. „Wiederholte Entlassungsrunden zerstören Moral, Fokus und das Vertrauen, das Kunden und Aktionäre in unsere Führungsfähigkeit setzen“, so Dorsey. Lieber wolle er jetzt einen harten Schnitt und eine neue Ausgangslage schaffen, hinter der das Unternehmen wirklich stehe.
CFO Amrita Ahuja betonte, dass der Konzern diese Entscheidung aus einer Position der Stärke heraus treffe. Die neue, schlankere Struktur ermögliche es, schneller zu agieren und mehr Arbeit durch KI zu automatisieren. Allein die Restrukturierungskosten schlagen jedoch mit rund 450 bis 500 Millionen Dollar zu Buche – vor allem für Abfindungen, Sozialleistungen und nicht liquiditätswirksame Aufwendungen im Zusammenhang mit der Aktienvergütung. Der Großteil dieser Kosten wird im ersten Quartal erwartet.
Ein Signal für die gesamte Branche?
In seinem Aktionärsbrief fasste Dorsey die Stoßrichtung in einem Satz zusammen: „Wir glauben, dass Block als kleineres, schnelleres, KI-natives Unternehmen deutlich wertvoller sein wird.“ Dorsey geht davon aus, dass Block kein Einzelfall bleiben wird. Innerhalb des nächsten Jahres würden die meisten Unternehmen zu ähnlichen Schlüssen kommen und vergleichbare strukturelle Veränderungen vornehmen. Andere Konzerne wie Pinterest, CrowdStrike und Chegg haben bereits Stellenabbau mit dem Verweis auf KI-bedingte Effizienzgewinne begründet. Auch Mizuho-Analyst Dan Dolev fragt sich, ob Blocks Vorgehen nun zum Präzedenzfall für andere Technologieunternehmen werde.
Dorsey wandte sich in seinem X-Beitrag direkt an die Betroffenen: „Ihr habt gebaut, was dieses Unternehmen heute ist. Das ist eine Tatsache, die ich für immer in Ehren halten werde.“
Zudem stellte er ein vergleichsweise großzügiges Paket in Aussicht: 20 Wochen Grundgehalt plus eine zusätzliche Woche pro Beschäftigungsjahr, sechs Monate Krankenversicherung, ihre Arbeitsgeräte sowie 5.000 Dollar für den persönlichen Neustart.
Während die Maßnahme die Diskussion um die Sicherheit von Arbeitsplätzen im KI-Zeitalter massiv anheizen dürfte, kommt sie bei den Aktionären hervorragend an. Die Block-Aktie ist am Donnerstag im nachbörslichen US-Handel um rund 25 Prozent nach oben geschossen. Mit Blick auf die maue Performance der vergangenen Jahre fällt das im Langfrist-Chart zunächst kaum ins Gewicht. Auch nach dem Kurssprung notiert der Kurs noch rund 77 Prozent unter dem Rekordhoch aus dem Sommer 2021.
Dennoch könnte das klare KI-Bekenntnis ein Wendepunkt für Block sein. Die Aktie befindet sich derzeit auf der Beobachtungsliste des AKTIONÄR.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BLOCK INC.
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