04.06.2019 Martin Weiß

Kartellwächter ermitteln: Anleger prügeln auf Google-Mutter Alphabet ein

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Google
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Mit der bezahlten Suche im Internet verdient Alphabets Google jedes Jahr Milliarden Dollar. Die Marktmacht des US-Unternehmens ist hoch – so hoch, dass jetzt das Justizministerium eine Untersuchtung eingeleitet hat. An der Börse reagieren die Anleger nervös, die Aktie verlor kräftig an Wert. Doch wie groß ist die Gefahr einer Zerschlagung eigentlich?

Google ist eine Macht bei der Suche im Internet, der Marktanteil in der westlichen Welt beträgt seit Jahren stabil 90 Prozent. Für den Mutterkonzern Alphabet ist die Tochter ein Goldesel, mit dem "Spielereien" wie das autonome Fahren und der Ausbau der Cloud- und Gaming-Sparte finanziert werden. 

2018 spülte das Geschäft mit der bezahlten Suche und Online-Ads 116 Milliarden Dollar in die Konzernkasse, unter dem Strich verblieb ein Gewinn von 31 Milliarden Dollar.

Seit Montag scheint das lukrative Geschäft in Gefahr, denn: Das US-Justizministerium bereitet sich auf eine kartellrechtliche Untersuchung von Google vor. Der Behörde geht es vor allem um das Geschäftsgebaren von Google bei der bezahlten Suche, aber auch um die sonstigen Geschäftsfelder im Konzern.

An der Börse reagierten die Anleger nervös auf News – die Aktie verlor 6 Prozent an Wert –, doch völlig überraschend kommt die Ankündigung einer Untersuchung nicht.

Seit Monaten kritisieren führende US-Politiker die Marktmacht der großen Technologiekonzerne, nicht nur von Google. Die Senatorin Elisabeth Warren fordert sogar die Zerschlagung von "Big Tech" – und das durchaus aggressiv wie eine Werbetafel belegt.  

Zu den Kritikern von Google zählt auch der US-Präsident, selbst wenn Donald Trump vermutlich weniger die Demokratie in Gefahr sieht, sondern sein Image. In etlichen Tweets beschuldigt er Google (und die anderen sozialen Medien) einseitig und zu seinen Ungunsten über ihn zu berichten.

Wie gesagt, die Untersuchung bei Google kommt nicht völlig überraschend.

Doch was passiert, wenn Alphabet wirklich zerschlagen wird? DER AKTIONÄR hat dieses Szenario bereits vor einiger Zeit durchgespielt und folgende Rechnung aufgestellt:

In seine Einzelteile zerlegt, dürfte Alphabet 1.075 Milliarden Dollar wert sein – mit Luft nach oben. Selbst wenn der Wert für die Google-Suche wegen der zuletzt schwächeren Q1-Zahlen auf 550 Milliarden Dollar korrigiert würde, bleibe ein Gesamtwert von 965 Milliarden Dollar.

An der Börse wird Alphabet aktuell mit 740 Milliarden Dollar bewertet. Rechnerisch ergibt sich somit Potenzial von rund 30 Prozent.

DER AKTIONÄR meint: Die Diskussion um die Untersuchung der Kartellwächter und eine drohende Zerschlagung von Alphabet dürfte den Aktienkurs unter Druck halten. Längerfristig bleibt das Papier aber, was es seit Jahren schon ist: ein Top-Investment.