19.11.2019 Michael Schröder

Infineon: Grünes Licht noch bis Weihnachten?

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Infineon Technologies
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Im Juni kündigte Infineon an, für neun Milliarden Euro den US-Konkurrenten Cypress Semiconductor übernehmen zu wollen. Ende August stimmte die überwiegende Mehrheit der Aktionäre des US-Konkurrenten dem geplanten Deal zu. Vor vier Wochen hat auch die EU-Wettbewerbskommission grünes Licht für die Übernahme gegeben. Nun müssen noch die US-Behörden ihren Segen geben. Vorstand Reinhard Ploss will den Zukauf spätestens bis Anfang 2020 abgeschlossen haben.

„Die geplante Übernahme von Cypress ist ein großer und richtungsweisender Schritt bei der strategischen Weiterentwicklung von Infineon“, sagt Vorstand Reinhard Ploss. Dem Vernehmen nach gab es nur wenig geeignete Objekte. Den Deal will sich Infineon insgesamt neun Milliarden Euro kosten lassen – und damit die Basis für eine erfolgreiche Zukunft legen.

Durch den Zukauf würde der DAX-Konzern weltweit zur Nummer acht unter den Chip-Herstellern aufsteigen – und die Nummer eins bei Chips für den Automobilmarkt werden. Außerdem erhofft sich Infineon über die US-Amerikaner einen besseren Zugang zum Geschäft mit der Vernetzung und Steuerung von Haushaltstechnik wie Heizungen, Beleuchtung oder Kühlschränken. „Mit der Transaktion können wir unseren Kunden das umfassendste Portfolio für die Verbindung der realen mit der digitalen Welt anbieten. Damit erschließen wir große zusätzliche Wachstumspotenziale in den Bereichen Automobil, Industrie und Internet der Dinge“, so Ploss bei der Ankündigung im Sommer.

Dank Cypress erhalten die Münchner Zugriff auf wichtige Kommunikationschips für die vernetzte Welt und auf stark gefragte Mikrocontroller – und spart sich damit die Kosten und die Zeit, diese selber zu entwickeln. Am Ende dürfte der Konzernchef seinem Ziel näherkommen, komplette Systeme aus einer Hand anzubieten, statt nur einzelne Produkte im Programm zu haben. Damit macht diese Transaktion das Geschäftsmodell noch robuster.

Wie geht es weiter? Die letzte noch ausstehende Voraussetzung für den Vollzug der Übernahme ist die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörden. In der Vergangenheit war die angedachte Übernahme des US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed am Veto der Kartellwächter gescheitert. Der Konzernchef gibt sich aber zuversichtlich, dass es diesmal klappen wird. Gut möglich, dass Infineon das grüne Licht noch vor Weihnachten erhält. Experten rechnen spätestens Anfang 2020 damit.

Die Technologieportfolios beider Gesellschaften ergänzten sich und eröffnen großes Potenzial in wachstumsstarken Zielmärkten Automotive, Industrie und Internet der Dinge. Winken die US-Behörden den Deal durch und geht der Übernahmeplan vom Vorstand auf, dürfte der Konzern mittelfristig operativ profitieren – und die Aktie deutlich höher notieren.

Infineon Technologies (WKN: 623100)

Charttechnisch hat sich Bild rund um die Präsentation der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr wieder aufgehellt. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist intakt. Erweist sich der jüngste Kurssprung über die 19-Euro-Marke als nachhaltig, würde ein frisches Kaufsignal mit Ziel 20/21 Euro generiert. Anleger sollten sich dabei aber auch auf den einen oder anderen Rücksetzer einstellen. Denn neben der eigenen operativen Entwicklung und frischen Analystenstimmen dürften auch Neuigkeiten im Handelsstreit die kurzfristige Kursentwicklung der Aktie beeinflussen.